Eisenbahner können steigende Spritpreise nicht abfangen

Populistische Rabattforderungen auf dem Rücken der Eisenbahner lösen keine Krise

Die aktuelle Diskussion um Entlastungen bei steigenden Energiepreisen wird zunehmend von Vorschlägen geprägt, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Forderungen nach pauschalen Rabatten im Nah- und Fernverkehr sind dabei aus Sicht der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nicht nur unausgereift, sondern in der aktuellen Lage des Systems Bahn schlicht verantwortungslos und in dieser Form ein Beispiel für realitätsferne Profilierungspolitik, die den Beschäftigten der Bahn ausdrücklich schadet.

 Besonders abwegig sind dabei Forderungen nach drastischen Preisreduzierungen im Fernverkehr. Rabatte von bis zu 50 Prozent würden die Nachfrage in einem ohnehin stark belasteten System weiter anheizen, ohne dass zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung stehen. Das Ergebnis wären noch vollere Züge, weiter steigender Druck auf das Personal und eine zusätzliche Verschärfung der betrieblichen Lage.

 Gleichzeitig bleibt völlig offen, wie solche Maßnahmen überhaupt finanziert werden sollen. In einer Zeit allgemein knapper Kassen und ungeklärter Finanzierungsfragen derartige Forderungen aus öffentlichem Profilierungsdrang in den Raum zu stellen, ist wirtschaftlich wie verkehrspolitisch verheerend.

„Diese Vorschläge sind nichts anderes als populistische Schnellschüsse zur eigenen Profilierung“, stellt GDL-Bundesvorsitzender Mario Reiß klar. „Man muss sich ernsthaft fragen, ob auf Führungsebene der EVG hier überhaupt noch das Wohl der Eisenbahner im Mittelpunkt steht oder vielmehr der eigene politische Geltungsdrang – anders lassen sich solche Forderungen kaum erklären.“

Reiß weiter: „Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits heute am Limit. Mehr Fahrgäste ohne mehr Personal, ohne mehr Infrastruktur und ohne tragfähige Finanzierung bedeuten schlicht mehr Druck, mehr Konflikte und weniger Stabilität. Das hilft weder den Beschäftigten noch den Fahrgästen.“

 Aus Sicht der GDL zeigt die aktuelle Debatte vor allem eines: eine zunehmende Entkopplung zwischen politischer Forderungsrhetorik und den tatsächlichen Bedingungen im Eisenbahnbetrieb. Statt kurzfristiger Schlagzeilen braucht es eine konsequente Auseinandersetzung mit den strukturellen Defiziten der Branche.

 Die GDL fordert daher, den Fokus endlich auf die entscheidenden Stellschrauben zu legen: den Ausbau der Infrastruktur, eine nachhaltige Stärkung der Personalsituation sowie dauerhaft tragfähige Finanzierungspläne.

 „Wer wirklich entlasten will, muss das System stabilisieren und nicht mit unrealistischen Forderungen zusätzlich unter Druck setzen“, so Reiß.

GDL-Pressemitteilung

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