DB kündigt Abbau von Simulator-Standorten an
Keine Verschrottung von Sicherheit!
Die DB AG will laut Medienberichten ihre Full-Mission-Simulatoren von 20 auf 14 reduzieren und Standorte schließen.
Der Simulatorstandort Fulda steht für 30 Jahre hochwertige Ausbildung: Am 21. Juni 1996 ging hier der erste ICE-Trainingssimulator Deutschlands in Betrieb. Heute ist Fulda ein zentraler Standort für die Qualifizierung von Triebfahrzeugführern. Umso unverständlicher ist, dass die DB AG laut Medienberichten ihre Full-Mission-Simulatoren von 20 auf 14 reduzieren und Standorte schließen will. Zu befürchten ist, dass hier noch kein Ende der Kosteneinsparungen erreicht ist und die DB die Simulatoren auf NULL reduzieren wird. Begründet wird das mit Kosten und angeblich flexibleren Tischsimulatoren. Für die GDL ist klar: Tischsimulatoren können sinnvoll ergänzen – sie können echte Full-Mission-Simulatoren aber niemals ersetzen!
Warum? Weil Sicherheit nicht am Bildschirm entsteht. Full-Mission-Simulatoren bilden den Führerstand, Bewegungen, Geräusche, Sichtverhältnisse, Wetter, technische Störungen, Zwangsbremsungen und betriebliche Ausnahmesituationen wesentlich realitätsnäher ab. Gerade sicherheitsrelevante Handlungen müssen automatisiert sitzen: Sifa, Makrofon, Bremsverhalten, Reaktion auf Störungen, Kommunikation unter Stress. Wer solche Abläufe nur vereinfacht am Tisch trainiert, trainiert nicht unter den Bedingungen, unter denen im Ernstfall gehandelt werden muss.
Die tariflichen Anforderungen der GDL an die Qualifizierung von Triebfahrzeugführern umfassen nicht ohne Grund ausdrücklich Simulatorfahrten. Im Simulatortraining sollen sie ihre Handlungen und deren Auswirkungen wirklichkeitsgetreu und interaktiv erleben sowie betriebliche Situationen trainieren. Genau dafür braucht es hochwertige Technik, fachkundige Instruktoren und ausreichend Kapazitäten.
Vor allem aus Arbeitsschutzsicht darf die DB diesen Schritt nicht einfach als Sparprogramm behandeln. Der Wechsel von Full-Mission-Simulatoren zu Tischlösungen verändert Ausbildungsabläufe, Arbeitsorganisation, Belastungen, Qualifizierungsqualität und möglicherweise die Sicherheit im späteren Betrieb. Solche Veränderungen gehören in eine saubere Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung: Welche Risiken entstehen? Welche Kompetenzen gehen verloren? Wie wird die Wirksamkeit der Ersatzmaßnahmen überprüft? Wer dokumentiert, dass das Sicherheitsniveau tatsächlich erhalten bleibt?
Die GDL fordert daher dringend, den geplanten Abbau zu stoppen. Full-Mission-Simulatoren sind zu erhalten, zu modernisieren und sinnvoll zu nutzen. Tischsimulatoren ja – aber nur zusätzlich, nicht als billiger Ersatz.
Eine gute Ausbildung kostet Geld. Eine schlechte Ausbildung kostet am Ende mehr – im schlimmsten Fall Sicherheit auf der Schiene!
