Tarifrunde 2026
Erster Warnstreik der GDL bei der Saarbahn mit voller Wirkung
Der erste Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Saarbahn ist mit einer Streikbeteiligung von 100 Prozent am 28. Mai 2026 um 11:00 Uhr beendet worden. Sämtliche Zugleistungen der Linie S1 von Lebach bis Saargemünd fielen während des Arbeitskampfes aus. Mit der schrittweisen Wiederaufnahme der Arbeit seit 11:00 Uhr ist weiterhin mit Beeinträchtigungen zu rechnen.
Der Warnstreik zeigt deutlich, dass die Mitglieder der GDL geschlossen hinter ihren Forderungen der GDL stehen und weiterhin bereit sind, für spürbare Verbesserungen ihrer Einkommens- und Arbeitsbedingungen einzutreten. Auch die bereits eingeleitete Urabstimmung wird vor Ort mit hoher Beteiligung angenommen.
Hintergrund des Arbeitskampfes ist die anhaltende Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite. Die Gespräche wurden von ihr faktisch beendet, ohne dass ein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt worden wäre. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der GDL-Forderungen wird dabei durch längst erzielte Tarifabschlüsse mit anderen kommunalen Arbeitgebern in ähnlicher Wirtschaftsstruktur belegt. In Chemnitz, Kassel und Karlsruhe gibt es ebenfalls kommunale Unternehmen, welche in vergleichbarer Weise ÖPNV-/SPNV-Verkehre erbringen und ohne Arbeitskampfmaßnahmen Tarifabschlüsse mit der GDL erzielen konnten. Es liegt also am Eigentümer die weitere Eskalation zu vermeiden.
Potenzielle Androhungen des Arbeitgebers, Tarifverbesserungen könnten zulasten von Arbeitsplätzen gehen, weist die GDL entschieden zurück. Die Eisenbahner im Kernbetrieb sind kein beliebiger Kostenblock in einer Bilanz, sondern die Grundlage für einen funktionierenden Nahverkehr und die wachsenden infrastrukturellen Anforderungen in der Region. Wer ausgerechnet an dieser Stelle kürzt oder notwendige Verbesserungen verweigert, schwächt nicht nur die Beschäftigten, sondern verschlechtert mittel- und langfristig auch die eigene wirtschaftliche Perspektive.
Geradezu widersprüchlich erscheint in diesem Zusammenhang das Verhalten des Kommunalen Arbeitgeberverbandes SAAR (KAV SAAR). Öffentlich setzt man sich im Tariftreuebeirat des Bundeslandes Saarland für gleiche Wettbewerbsbedingungen und faire Löhne ein – in den Tarifverhandlungen bei der Saarbahn hingegen droht ausgerechnet dieser Arbeitgeberverband einen Sonderweg zu etablieren, bei dem Lokführerinnen und Lokführer offenbar zu Eisenbahnern zweiter Klasse werden sollen. Wer Tariftreue predigt, darf Lohndumping nicht durch die Hintertür ermöglichen. Die GDL und ihre Mitglieder werden sich darüber hinaus keiner weiteren Hinhaltetaktik mehr aussetzen.
Die Zeit taktischer Verzögerungen, leerer Gesprächsangebote und folgenloser Verhandlungsrunden ist vorbei. Wer glaubt, die Eisenbahner über Monate hinhalten zu können, statt ernsthaft zu verhandeln, verkennt die Entschlossenheit der GDL-Mitglieder bei der Saarbahn. Jetzt braucht es tragfähige Angebote unter Berücksichtigung des Marktniveaus– keine Verzögerungstaktik auf Kosten der Beschäftigten.
Lars Jedinat, stellvertretender Bundesvorsitzender der GDL:
„Die heutige Streikbeteiligung zeigt unmissverständlich, wie groß der Rückhalt für unsere Forderungen bei den Eisenbahnern bei der Saarbahn ist. Die Saarbahn und der Kommunale Arbeitgeberverband hat es jetzt selbst in der Hand, weitere Eskalationsstufen abzuwenden. Wir kehren erst dann an den Verhandlungstisch zurück, wenn ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt, das sich an den Abschlüssen anderer kommunaler Arbeitgeber, mit denen die GDL-Tarifabschlüsse erzielt hat, orientiert und den Beschäftigten endlich die notwendige Wertschätzung entgegenbringt. Sofern kein Angebot vorgelegt wird, werden die Arbeitskämpfe ausgeweitet, wofür allein der Arbeitgeber die Verantwortung trägt.“
Für Statements, Interviewanfragen oder weitere Rückfragen steht Ihnen unser Bezirksvorsitzender für den Bezirk Süd-West gerne zur Verfügung:
Nico Rebenack
Bezirksvorsitzender Süd-West
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)
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