Die GDL stellt mit Verwunderung fest, dass Herr Burkert als Politiker, ehemaliger Parlamentarier und Vorsitzender des Verkehrsausschusses sowie Gewerkschaftsboss zu einem politischen Streik aufruft. Gerade er sollte sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen von Arbeitskämpfen auskennen.
Frankfurt am Main/Berlin, 24. August 2026
Die vergangenen Monate haben auf erschreckende Weise gezeigt, welchen Risiken Bahnbeschäftigte im Nah- und Fernverkehr tagtäglich bei der Ausübung ihres Berufs ausgesetzt sind. Sogar die DB Regio AG hat mit der ihr üblichen Verzögerung die Lage eingeräumt und entsprechende Zahlen veröffentlicht: 989 gewalttätige Übergriffe musste das Zugpersonal allein im ersten Halbjahr 2026 erleiden. Dazu stellte der DB Regio Vorstandsvorsitzende Harmen van Zijderveld im Beisein von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger auch einige Maßnahmen vor, die die Sicherheit der Eisenbahner erhöhen sollen. Diese decken sich zu weiten Teilen mit den Forderungen, mit denen die GDL schon seit Jahren zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen eintritt.
Doch neben dem Arbeitgeber ist vor allem der Gesetzgeber beim Schutz des Bahnpersonals gefragt. Es muss ein Ende finden, nur über Möglichkeiten zu diskutieren, während die GDL seit Jahren bereits tragbare Lösungen präsentiert. Weder Politik noch Aufgabenträger und mancher Arbeitgeber sehen sich hier jedoch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit in der Verantwortung. Nach jedem schwerwiegenden Vorfall verfallen alle in einen gewissen Aktionismus, der nach relativ kurzer Zeit in einen „Normalzustand“ übergeht. Die GDL fordert von den Akteuren nachdrücklich ein Ende des Spielens auf Zeit. Gesetze müssen zum Schutz von Service-, Sicherheits- und Rettungskräften reformiert, ein wirksames Durchgriffsrecht eingeführt und eine konsequente Strafverfolgung gewährleistet werden. Wir erwarten von der Bundesregierung ein schnelles Handeln, welches ein sauberes und vor allem robustes Gesetzgebungsverfahren nach sich ziehen muss, das den rechtsstaatlichen und demokratischen Ansprüchen gerecht wird. Von der Arbeitgeberseite erwarten wir wirksame Maßnahmen wie die flächendeckende Einführung beispielsweise des „Prio-Rufs“ für alle Eisenbahner, die ihn wünschen. Unserer Ansicht nach gewährt dies den Schutz in potenziell gefährlichen Situationen. Hier dagegen einen Schnellschuss über ein Blockieren von Dienstplänen zu forcieren ist eine eher untaugliche Überreaktion. Ein Dienstplan, der die Doppelbesetzungen auf den Zügen vorsieht, kann nur funktionieren, wenn das entsprechende Personal vorhanden und auch sachgerecht geschult ist. Hier fehlt es noch an der ausstehenden Entscheidung und einer dann notwendigen Aufbauarbeit. Eine Doppelbesetzung ist mit der verfügbaren Personaldecke nicht zu erreichen. Selbst kurzfristig punktuell gedachte Personalverstärkungen werden nur zur Überlastung des Bestandpersonals und damit zu noch weniger Sicherheit führen.
Die Eisenbahner haben einen Anspruch auf einen gefahrlosen Arbeitsplatz. Hier als einzige Lösung zu präsentieren, den Kopf in den Sand zu stecken und gar nicht zur Arbeit zu kommen, ist eine gewerkschaftliche Bankrotterklärung.
Mario Reiß, Bundesvorsitzender der GDL:
„Wer glaubt, dass die Ablehnung eines Dienstplans durch einen Betriebsrat zu mehr Sicherheit beitragen kann, der irrt unserer Meinung nach gewaltig. Die Sicherheit des Bahnpersonals kann durch grundlegend neu aufgestellte Strukturen und zuverlässige und standardisierte Notruf- und Meldeketten erhöht werden.
Es braucht auch ein Vertrauen in die Eisenbahner, die aus langjähriger Erfahrung potenziell gefährliche Situationen grundlegend einzuschätzen können. Wichtig ist hier die Unterstützung der Arbeitgeber, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen eine Gefährdung erkennen und hiernach auf eigene Entscheidung unangemessene Risiken vermeiden. Einen gesetzlich nicht abgedeckten de facto Streik anzukündigen, wird hier bei den Fahrgästen zu Recht auf Unverständnis stoßen. Dass eine solche Maßnahme keine Früchte tragen wird, hat schon eine vergleichbare Ankündigung im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland gezeigt.
Wir als Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer handeln verantwortungsvoll im gesetzlichen Rahmen und unterstützen keinen politischen Streik.“