KAV Saar und Saarbahn haben sich in einen Tarifkonflikt manövriert, über den sie anscheinend zunehmend die Kontrolle verlieren.
Mit der gemeinsamen Stellungnahme des Kommunalen Arbeitgeberverbands Saar (KAV Saar) und der Saarbahn GmbH vom 7. September 2026 zum laufenden Tarifkonflikt zwischen der Saarbahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nimmt die Arbeitgeberseite erneut öffentlich zu den Auseinandersetzungen Stellung und erhebt dabei eine Reihe von Vorwürfen gegenüber der GDL und ihrer Bundesleitung. Dazu stellt die GDL Folgendes klar:
KAV Saar und Saarbahn haben sich in einen Tarifkonflikt manövriert, über den sie anscheinend zunehmend die Kontrolle verlieren. Offenbar hat man darauf gesetzt, dass unsere Mitglieder irgendwann frustriert resignieren und ihre berechtigten Interessen aufgeben. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Statt daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und endlich ernsthaft nach einer tariflichen Lösung zu suchen, folgt nun der nächste Versuch, den Konflikt umzudeuten und einen Keil zwischen die Beschäftigten vor Ort und ihre Gewerkschaft zu treiben.
Die Behauptung, die Lokomotivführer der Saarbahn würden einer angeblich bundespolitischen Agenda oder gar der persönlichen Reputation des GDL-Bundesvorsitzenden folgen, ist nicht nur absurd. Sie offenbart vor allem ein bemerkenswertes Verständnis vom eigenen Personal. Unsere Mitglieder sind keine ferngesteuerten Statisten der GDL-Zentrale. Sie wissen sehr genau, warum sie seit Monaten für ihre Interessen eintreten. Sie kämpfen für ihren Beruf, für angemessene Arbeitsbedingungen, für ihre Einkommen und damit auch für ihre Familien. Ihnen nun zu unterstellen, sie ließen sich für persönliche Interessen eines Bundesvorsitzenden instrumentalisieren, spricht den eigenen Beschäftigten letztlich Urteilsvermögen und Eigenständigkeit ab.
Besonders durchsichtig ist dabei, dass die Arbeitgeberseite den Kern der Auseinandersetzung zunehmend zu verschleiern versucht. Es geht nicht darum, dass eine vermeintlich kompromisslose ‚GDL-Bundesleitung‘ irgendwelche abstrakten Marktstandards gegen die Saarbahn durchsetzen möchte. Es geht um die sehr konkrete Frage, warum die nahezu vollständig in der GDL organisierte Berufsgruppe der Lokomotivführer künftig nicht mehr durch einen eigenständigen Tarifvertrag ihrer gewählten Gewerkschaft vertreten werden soll. Genau dieser Frage weichen KAV und Saarbahn aus.
Und damit hat dieser Konflikt inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über einzelne Prozentwerte oder Arbeitszeitregelungen hinausgeht. Wenn ein Arbeitgeber seinen Beschäftigten faktisch vermittelt, dass ihre gewerkschaftliche Organisationsentscheidung tarifpolitisch folgenlos bleiben soll und an die Stelle ihrer gewählten Gewerkschaft künftig ein anderer Tarifvertrag treten soll, dann reden wir nicht mehr nur über klassische Tarifverhandlungstaktik. Dann reden wir über das Organisationsrecht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und über die Frage, welchen Wert gewerkschaftliche Selbstbestimmung in einem öffentlich getragenen Unternehmen noch besitzt.
Auch die wiederholten Hinweise auf angebliche Bestandssicherungen ändern daran nichts. Bestandsschutz ist kein Ersatz für eine eigenständige tarifliche Zukunft. Dass die Arbeitgeberseite ausgerechnet Regelungen hervorhebt, die zuvor von der GDL tariflich erkämpft wurden und nun zumindest teilweise erhalten bleiben sollen, bestätigt vielmehr deren Wert. Die entscheidende Frage lautet nicht, was Beschäftigte vorübergehend behalten dürfen, sondern wer ihre Arbeitsbedingungen künftig gestaltet und weiterentwickelt.
Dass Herr Nagel und Herr Spaniol nun versuchen, die Verantwortung für die Eskalation bei der GDL-Bundesleitung abzuladen, kann deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, wer auf Arbeitgeberseite die Entscheidungen trifft. Die GDL hat im bisherigen Verlauf ausdrücklich Verhandlungsbereitschaft gezeigt, Bestandteile des Arbeitgeberangebots anerkannt und konkrete Wege zu einer Verständigung aufgezeigt. Wer daraus eine kompromisslose Verweigerung konstruiert, erzählt nicht den tatsächlichen Verlauf dieser Tarifrunde, sondern versucht, im Nachhinein ein Narrativ für das eigene Scheitern zu schaffen.
Herr Nagel und Herr Spaniol sollten sich deshalb inzwischen eine wesentlich grundsätzlichere Frage stellen: Sind sie mit ihrer bisherigen Strategie noch Teil der Lösung – oder längst Teil des Problems? Wer nach mittlerweile zahlreichen Arbeitskampfmaßnahmen noch immer darauf setzt, Beschäftigte gegeneinander auszuspielen, ihre Gewerkschaft zu diskreditieren und einen Tarifkonflikt zu personalisieren, statt ihn zu lösen, muss sich diese Frage gefallen lassen.
Die GDL wird sich jedenfalls weder auseinanderdividieren noch ihre Mitglieder gegen ihren eigenen Bundesvorsitzenden ausspielen lassen. Unsere Mitglieder vor Ort und die GDL verfolgen dasselbe Ziel: einen fairen, eigenständigen und zukunftsfähigen Tarifvertrag. Wer diesen Konflikt beenden will, kennt deshalb den Weg. Er führt nicht über Aushänge in Schaukästen, persönliche Unterstellungen oder Spaltungsversuche – er führt zurück an den Verhandlungstisch.
Für Statements, Interviewanfragen oder weitere Rückfragen steht Ihnen unser Bundesvorsitzender Mario Reiß gerne zur Verfügung:
Mario Reiß
Bundesvorsitzender
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Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer
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