Neue InfraGO-Kommission

„Robuster Fahrplan“ darf nicht zum Synonym für Mangelverwaltung werden

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ist, ebenso wie weitere Branchenverbände, von der Mitteilung über die Einsetzung der Kommission „Robuster Fahrplan“ durch die DB InfraGO AG, die heute ihre Arbeit aufnahm, überrascht worden. Allein, dass das Unternehmen, das aus sich heraus über alle notwendigen Informationen für eine schonungslose und ganzheitliche Anamnese verfügt, eine externe Expertenrunde einberuft, ist an sich schon eine Bankrotterklärung.

Bereits im Abschlussbericht der Taskforce „Zuverlässige Bahn“ des Bundesverkehrsministeriums vom März 2026 wurde die vorübergehende Reduktion des Angebots ausschließlich als Ultima Ratio und nur im Einvernehmen mit allen beteiligten Akteuren genannt.

Dass nun das Ergebnis einer gründlichen Aufarbeitung zum Wohle aller Beteiligten nicht nur vorweggenommen wird, sondern das letzte Mittel nun zum Allheilmittel werden soll, zeugt nicht gerade von Fachkenntnis.

Lars Jedinat, stellv. Bundesvorsitzender der GDL:

„Ein robuster Fahrplan darf nicht zum Deckmantel für grundsätzlich weniger Eisenbahnverkehr werden. Natürlich muss ein Fahrplan unter den tatsächlichen Bedingungen des Netzes auch verlässlich fahrbar sein. Wer auf überlastete Knoten und eine über Jahrzehnte vernachlässigte Infrastruktur aber dauerhaft mit weniger Zugverkehr reagiert, löst das Problem nicht – er verschließt auch weiterhin die Augen vor der Realität, verwaltet den Mangel und übt sich in schlechter Symptombehandlung. Weniger Züge bedeuten zumeist vollere Züge und zwangsläufig noch lange keinen stabileren oder gleichwertigen Betrieb – zum Leidwesen u.a. der Kunden im Güterverkehr, der Pendler im Personenverkehr und der Eisenbahner."

Notwendig ist deshalb nicht weniger Eisenbahn, sondern ein robusteres Gesamtsystem. Dazu gehören ausreichend Personal und betriebliche Reserven, eine langfristige Baustellen- und Kapazitätsplanung, leistungsfähige Umleitungsstrecken, eine konsequente Digitalisierung und vor allem der Ausbau der Engpässe im Netz. Auch eine verlässliche, langfristige Finanzierung der Infrastruktur ist dafür unverzichtbar.“

Gezielte und zeitlich begrenzte Entlastungen einzelner hochbelasteter Knoten können betrieblich vereinzelt gegebenenfalls sinnvoll sein, insofern man sich der Ursachen auch sicher ist. Daraus darf aber keine strategische Rückwärtsbewegung werden. Den Meldungen nach zu urteilen, macht es derzeit jedoch genau diesen Anschein. Das politische Ziel muss bleiben, mehr Personen- und Güterverkehr zuverlässig auf die Schiene zu bringen. Die Antwort auf zu wenig Kapazität kann deshalb auf Dauer nicht weniger Verkehr sein, sondern nur mehr leistungsfähige und auskömmlich finanzierte Infrastruktur.

zurück