Trassenpreisreform

GDL warnt vor Abwärtsspirale auf der Schiene und erwartet klares Signal von Verkehrsministerkonferenz

Die GDL fordert die Verkehrsministerkonferenz auf, ein klares Signal an den Bund zu senden: Die Reform des Trassenpreissystems gehört nicht auf die lange Bank, sondern auf die politische Tagesordnung.

Frankfurt am Main/Berlin, 20. Oktober 2026

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert angesichts der angekündigten drastischen Steigerungen der Trassenpreise eine grundlegende Reform des deutschen Trassenpreissystems. Mit Blick auf die Verkehrsministerkonferenz der Länder am 21. und 22. Oktober in Hohenschwangau erwartet die GDL von Bund und Ländern, den bisherigen Forderungen nach bezahlbaren und planbaren Trassenpreisen nun konkrete politische Schritte folgen zu lassen. 

Nach Angaben aus der Branche sollen die Entgelte im Schienengüterverkehr 2028 im Durchschnitt um mehr als 14 Prozent steigen. Für Gefahrguttransporte sind Aufschläge von 63,5 Prozent, für besonders schwere Güterzüge sogar von knapp 85 Prozent vorgesehen. Bereits für 2027 zeichnet sich eine Steigerung von nahezu 13 Prozent ab.

„Wenn aus einem Instrument zur Finanzierung der Infrastruktur ein Mechanismus wird, der Verkehr von dieser Infrastruktur verdrängt, läuft etwas grundlegend falsch“, erklärt der GDL-Bundesvorsitzende Mario Reiß.
„Aufschläge von mehr als 60 oder sogar 80 Prozent in einzelnen Segmenten haben mit einer verlässlichen Grundlage für mehr Verkehr auf der Schiene nichts mehr zu tun. Wer die Nutzung der Schiene immer weiter verteuert, darf sich über weniger Züge und mehr Verkehr auf der Straße nicht wundern“, so Reiß weiter.

Dabei betrifft die Entwicklung längst nicht mehr nur den Güterverkehr. Nach der Neufestsetzung der Trassenentgelte für 2026 wird allein der Schienenpersonennahverkehr mit rund 400 Millionen Euro zusätzlich belastet. Die Verkehrsminister der Länder haben bereits im August vor drastischen Einschnitten im SPNV gewarnt und vom Bund eine vollständige Kompensation der Mehrbelastungen gefordert – etwa durch eine entsprechende Erhöhung der Regionalisierungsmittel. 

Erste negative Auswirkungen zeichnen sich bereits ab: Der Verkehrsverbund Oberelbe (VO) hat in Sachsen die Abbestellung von Verkehrsleistungen angekündigt, während weitere Aufgabenträger öffentlich über entsprechende Einschnitte nachdenken. Diese Entwicklung steht in diametralem Widerspruch zu der gleichzeitig vielfach betonten Notwendigkeit, die Anbindung ländlicher Regionen an die Städte nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern weiter auszubauen.

Reiß: „Jetzt zeigt sich in der Realität, wovor die Branche und auch die Länder seit Monaten warnen: Steigende Trassenpreise führen am Ende zu weniger Eisenbahn. Wenn Regionalzüge abbestellt werden müssen und Güterverkehre wirtschaftlich weiter unter Druck geraten, dann reden wir nicht mehr über eine abstrakte Finanzierungsdebatte. Dann geht es ganz konkret darum, ob Züge künftig überhaupt noch fahren.“

Die GDL fordert deshalb einen Systemwechsel hin zu einem dauerhaft planbaren und wettbewerbsfähigen Trassenpreismodell auf Grundlage des Grenzkostenprinzips. Die Eisenbahnverkehrsunternehmen sollen für die unmittelbar durch ihre Zugfahrten verursachten Kosten aufkommen; die Finanzierung der öffentlichen Schieneninfrastruktur selbst ist dagegen staatliche Aufgabe. Gleichzeitig müssen die Regionalisierungsmittel so ausgestattet werden, dass bestehende Verkehrsangebote erhalten werden können.

Die Verkehrsminister der Länder haben selbst bereits eine strukturelle Weiterentwicklung des Trassen- und Entgeltsystems gefordert und dabei ausdrücklich auch eine Reform auf Grundlage des Grenzkostenprinzips ins Spiel gebracht. Aus Sicht der GDL muss die Konferenz in Hohenschwangau deshalb genutzt werden, um diesen Forderungen gegenüber dem Bund mit Nachdruck Geltung zu verschaffen.

Von dieser Entwicklung sind Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) im Nah-, Fern- und Güterverkehr gleichermaßen betroffen. Die Tarif- und Sozialpartner der GDL sehen sich dadurch mit zusätzlichen finanziellen Belastungen konfrontiert, die in ihren bisherigen Kalkulationen nicht berücksichtigt werden konnten. Es ist daher zu befürchten, dass die steigenden Kosten eine Aufrechterhaltung des bisherigen Betriebsumfangs zunehmend unwirtschaftlich machen und Eisenbahnverkehrsunternehmen infolgedessen gezwungen sein könnten, Verkehrsleistungen zu reduzieren oder Verbindungen vollständig einzustellen. Damit geraten die öffentliche Daseinsvorsorge, insbesondere die Schienenanbindung ländlicher und abgelegener Regionen, sowie die angestrebte umweltfreundliche Transformation des Verkehrs- und Transportsektors gleichermaßen in Gefahr. Am Ende besteht zudem die Gefahr, dass tausende Arbeitsplätze gefährdet werden.  

 Die GDL fordert deshalb von Bund und Ländern: 

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