Die DB hat den Tarifabschluss der GDL vollständig auf die evg-Tarifverträge übertragen. Ganz freiwillig, sehr freigiebig, trotz laufender Friedenspflicht. Begründung: Der Betriebsfrieden darf nicht durch unterschiedlich hohe Löhne beeinträchtigt werden. Kosten: ca. 350 Millionen Euro pro Jahr.
Das ist gut angelegtes Geld, denn die Arbeit aller Eisenbahner wird damit aufgewertet. Moment! Aller Eisenbahner? Mit Nichten. Zu einer Aufwertung durch Übernahme der GDL-Tarifverträge kam es nur da, wo die „grünen“ Löhne besser sind. Das betrifft zwar viele Kolleginnen und Kollegen, aber Zugbegleiter, Werkstattmitarbeiter und alle Kolleginnen und Kollegen in der Infrastruktur haben davon gar nichts.
Da, wo es umgekehrt ist – da, wo die Löhne nach den GDL-Tarifverträgen hinter den anderen zurückbleiben, zumindest noch ein knappes Jahr lang – hat die DB keine Lust mehr auf Betriebsfrieden und ist nicht zu einer Angleichung bereit. Das erklärte sie der GDL am 3. September 2026 in Berlin.
Die GDL wird darauf auf zwei Ebenen reagieren. Zum einen werden alle Lohnunterschiede in der nächsten GDL-Tarifrunde mindestens auszugleichen sein. Zum anderen wird die GDL im politischen Raum tätig werden, denn es darf und es wird keine Nachteile für GDL-Mitglieder geben.
Die DB hat einen neuen Konflikt provoziert und die erwartete Befriedung aktiv und vorsätzlich behindert.
Wer als Zugbegleiter, in den Werkstätten und in der Infrastruktur beschäftigt ist, darf sich zurecht die Frage stellen: Warum gehe ich im Jahr 2027 leer aus? Gleichbehandlung bedeutet auch, dass alle Arbeitnehmer von tariflichen Verbesserungen profitieren. Eine unterschiedliche Behandlung wird es mit der GDL in diesem Grundsatz nicht geben. Das gilt auch und insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen in der Infrastruktur.