GDL

GDL-Ortsgruppe Seelze



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Warum bei der DB AG der Eine mit dem Anderen nicht kann und der Dritte nicht will…

Dieser Artikel bildet allein eine "Meinung mit satirischem Einschlag" des OG Vorstands Seelze ab. Wir nennen ihn:
Gedankenpupse zum aktuellen Tarifkonflikt,
den drohenden Streiks und dem super neuen Kündigungsschutz!
Oder...
Was würden Sie davon halten, wenn...
Was würden Sie davon halten, wenn…

…in Deutschland nur noch eine Partei regieren dürfte? Wenn nur noch eine einzige Partei in Deutschland zugelassen sein würde? Wenn Gesetze nur noch von einer Partei eingebracht werden könnten? Ohne Koalitionen, die wichtig sind, um möglichst alle Interessen der Bürger/innen in Deutschland demokratisch vertreten zu können - nicht nur den anteilsmäßig größten Teil der Wählerschaft der 60 bis 70jährigen. Oder wenn uns Despoten analog Honecker oder ähnlichen Konsorten wie in einem Gefängnisstaat regieren würden. Staaten, die Menschen abschotten und uns mittels nur schwer zu widerlegender Unwahrheiten dumm halten.

Honecker

Nun, die damaligen DDR-Bürger- und Bürgerinnen waren intelligent und vor allem mutig genug, sich dem totalitären Parteiapparat erfolgreich entgegenzustellen. Sie waren mutig genug, die Realität zu erkennen und sich schlau zu lesen. Es war ihnen nicht egal, wie bedeutungslose Nummern behandelt zu werden, sondern sie wollten ihre Zukunft selbst bestimmen, eigene Richtungen gehen und nicht irgendwelche Verordnungen wie vorgekautes Essen die Speiseröhre herunterwürgen.

Was würden Sie davon halten, wenn

es in ganz Hannover oder in Niedersachsen nur noch ein einziges Restaurant geben würde? Weil genau dieses Lokal ein paar Essen mehr gekocht hat als jedes andere der weiteren 5000 Restaurants im engeren Umfeld nur weil es am zentralsten liegt? Oder nur ein einziger Radiosender auf den Frequenzen zugelassen wird, weil allein das Einzugs- und Sendegebiet – gesteuert durch öffentlich-rechtliche Kassen – dazu führt, die meisten Zuhörer zu haben.

Wir selbst würden doch die oben geschilderten Situationen für katastrophal halten und entgegengesetzt zu dem, was wir wirklich brauchen. Denn alle genannten und im Besonderen die ungenannten Einrichtungen haben doch etwas überein: Sie bedienen wichtige, individuelle Bedürfnisse und jedes einzelne davon ist wichtig.

Na? Kommen Ihnen die genannten Beispiele bekannt vor? Gibt es da nicht die eine oder andere Parallele in unserem Umfeld? Gott sei Dank haben wir auch weiterhin mehrere Parteien, die wir frei wählen und die mit anderen Parteien koalieren dürfen. Sonst würden wir uns schließlich von Staatsformen wie China oder Nordkorea nicht mehr erheblich unterscheiden. Und wir werden auch in Zukunft hoffentlich mehrere Medienformen haben, mittels derer wir uns freiheitlich und individuell eine politische Meinung bilden können. Zugegeben wird auch dieses Unterfangen immer schwieriger, weil es in Deutschland lediglich vier Dynastien gibt, die über 90% der gesamten deutschen Presse steuern. Hier ist eine Umkehr zu einer größeren journalistischen Vielfalt mehr als wünschenswert. Unter anderem ist auch genau hier der Schlüssel einer transparenten Demokratie zu finden. In einer offenen und politisch gesunden Gesellschaft gibt es Formen, in denen sich alle Interessen- und Berufsgruppen vertreten fühlen dürfen. Ob jung oder alt, ob grün oder schwarz. Das ist mehr als legitim.

Wenn ich Schuhe kaufen möchte, gehe ich ja auch nicht zum Schlachter.

Schlachter

Aus diesem Grunde darf es nicht nur einen Laden für Alles geben! Dafür gibt es in der freien Wirtschaft das Kartellamt. Im politischen Bereich sind es die Verfassung, das Grundgesetz und die Wähler, die die Richtung bestimmen. Im gewerkschaftlichen Umfeld die Mitglieder und Belegschaften.

Die damalige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hatte das mit dieser demokratischen Grundordnung wohl nicht so ganz verstanden. Oder?

Getreu ihrem großen englischen Politik-Pendant Margret Thatcher wollte sie bestimmte Gewerkschaftsbewegungen am liebsten verbieten. Damit ließ sie automatisch große Einheitsgewerkschaften noch mächtiger werden. Nicht zuletzt nur deshalb, um den Fachgewerkschaften den Garaus zu machen. On top ließ sie einen Richterspruch installieren, der allgemein als Tarifeinheitsgesetz bekannt geworden ist. Man beachte: Die Vorsitzende einer Partei, welche bereits vor den Kriegsjahren für Demokratie, Arbeiterbewegung, Gewerkschaftsgründungen und besonders für soziale Gerechtigkeit stand, lässt sich durch den Dachverband DGB und auch Teile der Arbeitgeberverbände benutzen. In den Folgejahren erlebte die SPD einen Abrutsch nie gekannten Ausmaßes und ließ die einst zu Recht große und stolze Volkspartei bis Anfang 2021 fast vollständig in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Das so genannte Tarifeinheitsgesetz TEG sollte eine erzwungene Tarifeinheit möglich machen. Im Falle von Konflikten soll ein so genanntes Mehrheitsprinzip in den Betrieben zum Tragen kommen. Oder anders herum gesagt: Können sich Gewerkschaften mit sich überschneidenden Tarifverträgen nicht einigen, soll künftig nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft gelten, die im Betrieb die meisten Mitglieder hat. Nur regelt das deutsche Recht auch, dass jegliche Mitgliederzahlen nicht erzwungen abgefragt werden dürfen. Will heißen, es gibt in Deutschland gar keine Möglichkeit zur rechtssicheren Feststellung einer Tarifhoheit.

Frau Nahles suggerierte uns bereits 2010 als Bundesministerin für Arbeit und Soziales, dass !!!!„viele Menschen besorgt und in Angst seien“,

weil Fachgewerkschaften ihrer Meinung nach zu viele Rechte hatten und diese auch wesentlich streiklustiger und erfolgreicher auftreten könnten als Großgewerkschaften. Und das, obwohl Fachgewerkschaften naturgemäß weniger Mitglieder betreuen. Ferner warf sie den Fachgewerkschaften vor, die "Einheit der Gewerkschaften" zu gefährden. Man bedenke: Eine hochrangige SPD-Politikerin folgt somit auch den Interessen der deutschen Arbeitgebervertretungen, die sich froh und glücklich zeichnen, wenn Fachgewerkschaften endlich vom Markt verschwinden würden.
Dabei sah die Wirklichkeit entgegen der Äußerungen Nahles vollkommen anders aus. Im europäischen Vergleich wurde und wird in Deutschland nur äußerst selten gestreikt. Im Vergleich dazu wird in den skandinavischen Ländern - welche für viele Menschen in Europa ja DIE soziale und politische Vorbildfunktion haben - bis zu 18mal mehr gestreikt! Von Frankreich und anderen Ländern gar nicht zu sprechen. Auch die erreichten Tarifabschlüsse, bzw. dadurch erkämpften Entgelterhöhungen können für deutsche Arbeitnehmer*innen im Vergleich bis dato allenfalls als moderat bezeichnet werden und hinken insbesondere aktuell dem Inflationsgeschehen auf einem offenen Bein hinterher. Manchmal aber - wie in unserer Situation - nicht eimal das!

Nahles

Wenn nun eine Gewerkschaft gegen solch oben genannte, politischen Angriffe, sich weiterhin für ihre Mitglieder konsequent einsetzt - was ja wohl die Definition und einzige Sinnhaftigkeit einer richtigen Gewerkschaft ausmacht - und mit dieser ehrlichen Politik sogar Mitglieder gewinnt, dann können wir uns langsam vorstellen welch riesige Apparate die verantwortlichen Politiker und Konzerne dagegen anlaufen lassen. Nur um das eigene, warme Nest nicht zu gefährden. Dafür werden unglaublich viele Gelder frei gemacht. Nur um eine effektive und ehrliche Mitarbeitervertretung in Deutschland zu eliminieren und damit auch einen Dominoeffekt gegen andere Fachgewerkschaften zu erzeugen. Und dieses Spiel läuft bereits seit Jahren. Aber Geld spielt in dieser Machtfrage keine Rolle. Besonders dann, wenn ein Konzern wie die DB AG als Eigentum des Bundes geleitet wird.

Medien werden im großen Stile beeinflusst und gelenkt, um die benötigte politische Wirkung in die gewünschte Richtung zu dirigieren.

Darüber hinaus wird Werbung für eine wohlgesonnene Mitarbeitervertretung unterstützt. Zum Teil wird sie - gemessen an der auffallend identischen Aufmachung - in der konzerneigenen Presseabteilung mitentwickelt und dann als „richtige“ Meinungsmache in den sozialen und medialen Plattformen oder sogar bahneigenen Werbetafeln an den Bahnsteigen als "DIE WAHRHEIT" veröffentlicht. Im Hinterhalt warten Heerscharen von Anwälten auf nur einen Fehler derer, die man schon seit Ewigkeiten bekämpfen will. Nicht umsonst sprechen manch Arbeitgeberteile aktuell schon wieder und zum x-ten Mal davon, dass in Deutschland nun endlich der vernichtende Schlag gegen die Fachgewerkschaften erfolgen soll.
Das wird allerdings nur gelingen, wenn weite Bereiche der Belegschaften auf die Verständnis- und Mitleids-Plattform der Arbeitgeber wandern. Und deshalb wird man NICHTS unversucht lassen, um genau diese Belegschaftsteile suggestiv zu steuern.
Ohne uns Fachgewerkschaften wartet die Finanzwelt bereits ungeduldig darauf, um die Belegschaften um ein Maß an Wirtschaftlichkeit auszupressen, welches man sich heutzutage nicht einmal in den schlimmsten Albträumen vorstellen könnte. Viele Paket- und Lieferdienste sowie andere Dienstleistungsbereiche machen es bereits weltweit vor.

Vernichtung

Bei der „Installation der passenden Gewerkschaft“ wird die Frage nach dem Sein oder Nichtsein manchmal noch ein Stück skurriler ausgetragen: Eine Gewerkschaft (nennen wir sie „A“) mit wesentlich besseren Tarifen als die Gewerkschaft „B“, wird von ihrem eigenen Dachverband wie ein nasser Köter zurückgepfiffen. Grund: Man duldet keine Konkurrenz im eigenen Lager. Außerdem billigt man dem Arbeitgeber lieber die Gewerkschaft zu, die schon seit Jahrzehnten die moderateren Abschlüsse tätigt.

Nein, das ist kein Treppenwitz!

Wie man schnell merkt, geht es hier wohl schon lange nicht mehr um Arbeitnehmer*innen-Interessen. Haben sie schonmal die Entgelte innerhalb der verschiedenen Tarifverträge gegoogelt? So vergleicht man einfach die Entgelttabellen der Gewerkschaften unter dem gleichen Dachverband. Insbesondere die Vertretung, die als Alleinstellungsmerkmal bei der DB AG implantiert werden will. Man stößt je nach Eingruppierung und Bereich auf Unterschiede im Entgelt im zweistelligen Prozentbereich.
Nur nochmal zum Mitschreiben: Ein Schlosser in der Lok- oder Wagen-Instandhaltung verdient mit einem Abschluss unter IG Metall Tarifführung mehr als unter den Tarifverträgen, die aktuell implantiert sind. Oder lesen wir die Zahlen falsch?

Tauschung

Eine „echte“ Gewerkschaft sollte sich somit niemals solchen Peinlichkeiten preisgeben und auf ihren Aushängen titeln, dass das Tarifeinheitsgesetz nun endlich vom Arbeitgeber angewandt wird. Echte Gewerkschaften sind für Vielfalt, wie sie auch in der Parteienlandschaft üblich ist. Gewerkschaftspolitisch kann man anderen Ortes durchaus erfolgreich zusammenarbeiten. Zumindest, wenn zwei "echte" Gewerkschaften vorhanden sind. Somit werden aktuell berechtigt Stimmen wach, die lauten, dass es innerhalb des DB Konzerns in Wirklichkeit eh nur eine "richtige" Gewerkschaft gäbe, die den Auftrag der Mitglieder umsetzt.

Und nun kommt diese richtige Gewerkschaft daher und lässt jenen unsozialen Kurs gegen sämtliche Belegschaften in diesem Bahn-Land nicht zu. Sie wird somit Vorreiter dutzender weiterer Fachgewerkschaften, die ihren Kampf zu einem späteren Zeitpunkt noch vor sich haben.

Die Wunschvorstellung einiger Mitarbeiter*innen, dass sich Gewerkschaften zusammentun sollen, ist sicherlich nachvollziehbar und wird immer wieder geäußert. Dieses ist aber - wie nach obigen Informationen zu sehen - eben nicht mit jeder Gewerkschaft durchführbar. Schon gar nicht aus folgendem Grund: Wissen Sie denn, dass die DB AG ein sogenanntes "trilaterales" Abkommen fordert? Das heißt: Die GDL dürfte nur dann Tarife abschließen, wenn die EVG damit einverstanden ist. Es ist also undenkbar, mit solch einer Hausgewerkschaft in den elementaren Fragen der Tarifforderungen für die jeweiligen Mitglieder zusammenarbeiten zu können. Und...

Es ist sicher kein Geheimnis, dass GDL und EVG kaum gemeinschaftliche soziale Grundwerte teilen.

Denn… mit Verlaub: Das Angebot, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Kündigungsschutz gegen eine längst überflüssige und gerechte Entgelterhöhung zu verkaufen, empfinden wir als frech. Wenn sich betriebliche Kündigungen abzeichnen würden, entspräche dieses Vorgehen durchaus einem möglichen Ausnahme-Kurs. Wenn, ja, wenn da nicht der kleine Umstand wäre, dass die Bahn an diesem Kündigungsschutz eher verdienen wird. Und weil eine Gewerkschaft für immer erpressbar bleibt, wenn sie sich selbst auferlegt, reine Arbeitgeberaufgaben zu übernehmen. Da darf sich als Belohnung jedes Mitglied wie ein Arbeitgeber fühlen. Ist das nicht schön? Oder finden wir uns hier vielleicht eher auf dem Feld der "emotionalen Erpressung" wieder? Wir kommen später nochmals auf das skurrile Thema "Arbeitnehmer wird emotional Arbeitgeber"...
Im Übrigen gab es schon mal eine Gewerkschaft namens GDBA, die sich mit der damaligen Transnet zusammengetan hat. Politisch übrig geblieben ist von ihr so viel wie Federn von einem explodierten Huhn. Ein entsprechender Vorteil hat sich für die Belegschaft jedenfalls daraus nicht entwickelt.

Arbeitgeber

Warum aber wird solch eine Art des beschriebenen zusätzlichen Kündigungsschutzes so vehement von den DBB Gewerkschaften kritisiert?

Erstens existiert für die Vielzahl der Arbeitnehmer*innen bereits ein besonderer Kündigungsschutz (lesen Sie sich Ihren Tarifvertrag doch mal durch) und zweitens benötigt allein die DB Cargo AG allein in den nächsten drei Jahren neue Mitarbeiter im hohen, fünfstelligen Bereich.

Da wir Einstellungszahlen und die Ausbildung dieser vielen Menschen in solcher Höhe in solch kurzer Zeit kaum erbringen können, wird jeder von uns in naher Zukunft noch stärker gefordert sein, Überstunden zu leisten und die eigene Produktivität zu erhöhen. Gedanken und Ideen zu Produktivitätserhöhungen der Einzelnen liegen bereits heute in mannigfaltiger Form in den oberen Schubladen der bunten Ideenwelt des Managements in Berlin vor. Im Lokfahrdienst stehen schon jetzt Gespräche an, die die Ausweitung von Lang-Fahr-Schichten sicherstellen sollen. Überzeiten sollen noch stärker in Langzeitkonten verschwinden, aus denen man nach Jahren des mühseligen Einzahlens nur noch einen Teil des Originalwertes herausbekommt. Da bekommt der Werbeslogan der EVG „Du profitierst weiterhin von unserem vielfältigen Tarifpaket, wie die Möglichkeit zur Nutzung des Langzeitkontos oder Leistungen aus dem Fond Sozial“ oder auch „Fair nach vorne“ einen ganz anderen Geschmack“. Oder verstehen wir hier irgendetwas falsch?

Ist es nicht so, dass dann Regelungen, die die Sicherstellung von planbarer Freizeit sichern, zu Gunsten unsicherer Absprachen zwischen Arbeitnehmer*innen und Einsatzplanern gekippt werden. Oder die Einführung von „Flexiblen Pausen“ oder gar der teilweise Wegfall der Betriebsrente: Diese Umsetzungsziele sind in manchen Köpfen ohne die GDL schon jetzt eine runde Sache.

Trotz allem hält die EVG mit dieser Pro-Arbeitgeber Politik noch ihre Mitglieder. Zumindest nach eigener Darlegung ihrer Mitgliedszahlen. Anscheinend muss nur jedem beteiligten Menschen der genannte Kündigungsschutz, den niemand braucht, schmackhaft gemacht werden. Dann haben es Politik, Management und EVG tatsächlich geschafft, dass der*die brave Mitarbeiter*in es toll findet, dass er*sie

- unter den Schutzschirm eines Kündigungsschutzes genagelt wird, den aktuell niemand benötigen wird und der nur für eine kurze Zeit wirken soll,

- die Entgeltminderung (Nullrunde gegen die hohe Inflationsrate) das gesamte restliche Arbeitsleben mitschleppen wird. Das macht bei einem monatlichen Bruttogehalt von 3500,00 Euro in 40 Jahren einen Entgeltverlust von mehr als 25.200,00 Euro wenn gegen die Nullrunde eine Entgelterhöhung in 2021 von nur 1,5% zu Grunde gelegt wird,

- psychologisch gegen eine Gewerkschaft ausgerichtet wird, die nichts anderes als ihren ureigenen Job macht,

- über 25% mehr Gewerkschaftsbeiträge zahlt als in der GDL. Das macht innerhalb eines Arbeitslebens schnell 2.000,00 bis 5.000,00 Euro.

25.200,00 Euro Mindestabzug in einem normalen Arbeitsleben eines einzigen Mitarbeiters. Nämlich Sie! Das macht im Ergebnis bei 150.000 Mitarbeitern ein sattes Plus von mindestens 3.780.000.000 Euro (3,78 Milliarden) im eigenen DB- bzw. Staatssäckel!

Davon werden, so wie es die DB in den letzten Jahrzehnten immer wieder praktiziert hat, dutzende ausländische Firmen und Firmenanteile aufgekauft, welche wenig später wertlos geworden fast verschenkt werden. Weil sie sonst niemand auf dem freien Markt für den damaligen Einkaufspreis haben will. Oder man verpulvert Ihr Geld gleich direkt in dubiöse Beraterverträge in denen Menschen nur auf dem Papier beschäftigt werden. Eine weitere Möglichkeit Geld auszugeben ist die Abwerbung von EVG Bundesvorsitzenden. Hier werden schnell mal gerne Millionen aufgewendet, damit Menschen wie Norbert Hansen der Transnet (später EVG) auf die Arbeitgeberseite der DB AG wechselten. Auch der bis April 2020 amtierende Vorsitzende der EVG Herr Torsten Westphal ist auf die Seite des Arbeitgebers gelaufen. (Seither wird der Vorsitz der EVG von Klaus-Dieter Hommel geführt. Der selbe Mann, der die Fusion der GDBA mit der damaligen Transnet mitbegleitet hat). In dieser Auflistung darf aber auch nicht Herr Martin Seiler fehlen. Ja, Sie lesen ganz richtig! Martin Seiler, Personalvorstand der DB AG und Verfechter des Tarifeinheitsgesetzes kommt aus den Reihen des Verdi Betriebsrates der Deutschen Telekom (ehemals Deutsche Bundespost). Nach 15 Jahren auf der Arbeitnehmerseite wechselte Seiler die Seiten ins Arbeitgeber-Management.

Ja, es geht sogar noch besser, Ihren erarbeiteten Lohn unterzubringen: Die DB AG kauft sich von den ersparten Milliarden - die eigentlich den Mitarbeiter*innen vorbehalten sein müssten, welche 7 Tage in der Woche 24 Stunden rund um die Uhr den Betrieb aufrecht erhalten haben - im Ausland in Firmen ein, die mit dem Eisenbahnbetrieb rein gar nichts gemein haben.

Lohn

Bereits vor sechs Jahren hat sich Volker Pispers (Kabarettist und Autor) mit den internen Vorgängen der DB AG befasst und folgende Worte gesprochen. Dieser ist auch auf YouTube über den folgenden Facebook-Link zu hören: HIER KLICKEN

Nun, den bekannten Auftritten und Lesungen des Autors Volker Pispers ist somit nichts mehr hinzuzugeben. Wenn also ein echter Gewerkschaftsvorsitzender mit einer echten Gewerkschaft, die das tut wofür sie da ist, politisch an den Pranger gestellt und vernichtet werden soll, dann wird es Zeit, Dinge zu hinterfragen. Ist es nicht merkwürdig, warum immer noch Kolleginnen und Kollegen gegenüber jeglicher Maßnahmen stille halten, mit bunten Werbebildern plus Nullrunden zufrieden sind und zum Wohle einiger Funktionäre hohe Summen an Gewerkschaftsbeiträgen ableisten?
Sind dies die Resultate der Jahre, als Gewerkschaftsfunktionäre mit ihren Handlangern durch die Reihen der Belegschaft gelaufen sind und gedroht haben, dass…
- keine Beförderung möglich ist, wenn man nicht der „richtigen“ Gewerkschaft angehört oder gar aus dieser austreten will,
- keine Bahn-Wohnung zur Verfügung steht, wenn man nicht der „richtigen“ Gewerkschaft angehört oder gar aus dieser austreten will,
- eine Strafversetzung quer durchs Land durchgeführt wird, wenn man nicht der „richtigen“ Gewerkschaft angehört oder gar aus dieser austreten will,
- eine erfolgreiche Bewerbung in andere Geschäftsbereiche verhindert wird, wenn man nicht der „richtigen“ Gewerkschaft angehört oder gar aus dieser austreten will,
- eine soziale Ächtung stattfinden könnte, wenn man nicht der „richtigen“ Gewerkschaft angehört oder gar aus dieser austreten will?

Wir könnten diese Liste ausbauen und aus unseren Erfahrungen heraus mehrere Beispiele nennen, bei denen sich unter anderem die EVG in unseren Augen beschämend verhalten und es lieber vorgezogen hat, Überlebensängste in den Betrieben zu streuen.

Bei all den angedrohten Repressalien und Nachteilen ist es verständlich, dass der Arbeitgeber auch weiterhin in einer Organisation verharrt und hofft dass alles besser wird. Solche Mittel sind psychologisch leider aber auch sehr einfach zu installieren.

Angst

Aber die Zeit des Schürens von Ängsten ist unter dem Schirm der GDL vorbei. Immer mehr Teile der Belegschaft lassen sich somit nicht mehr verängstigen. Sie haben die leidvollen Gesichter von Sukale, Mehdorn, Ulrich Weber und nun im Weiteren Herrn Martin Seiler satt und wollen sich nicht mehr von dieser Art falscher Menschen emotional erpressen lassen. Und die Unerschrockenen werden mehr. Pro Monat legt die Gewerkschaft GDL ein Plus von weit über eintausend neuen Mitgliedern vor.

Warum wir eigentlich streiken:

Ganz anders als die Verlautbarungen des Arbeitgebers DB AG (Herr Dr. Martin Seiler) hat es bislang keine ernst zu nehmenden Angebote aus Berlin gegeben, um Tarifverhandlungen unter ausreichend annehmbaren Bedingungen führen zu können. Der angebotene Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (so Seiler) ist in Wirklichkeit ein Notlagen-Tarifvertrag, der Entgelte und soziale Versorgungen regelt, wenn Flugzeuge während einer Pandemie am Boden bleiben und Piloten und Bordpersonale zu Hause auf Arbeit warten. Diese Arbeitsumgebung ist mit der unseren in keiner Weise zu vergleichen. Der Status Q hat deshalb weiterhin Bestand.

Streik2

Im Weiteren werden wir folgende Umstände nicht tolerieren:

- Die DB AG versucht in allen relevanten Bereichen die GDL - und damit die bislang erkämpften Tarifverträge der Mitglieder - zurückzudrängen. Der Schutz von GDL Tarifverträgen soll somit zukünftig verfallen. Die Belegschaft wird in großen Teilen mit dieser Politik zum Freiwild erklärt. So wird Flexibilität und ständige Eigenabsprache mit den Einsatzplanern als positiv verkauft und bewirkt bei dem einen oder anderen das großartige und spannende Gefühl, selbst Arbeitgeber oder Selbstständiger zu sein. Tatsächlich begeben wir uns in einen Raum, in dem der/die Mitarbeiter*in der Arbeitgeberseite ausgeliefert ist.

- Würden wir das alles akzeptieren, gilt die Nullrunde für das Tarifjahr 2021 und in weiteren Jahren minimale Entgelterhöhungen von 1,5%. Die noch gültige Nullrunde erzeugt im Vergleich zu einer beispielhaft anzunehmenden Entgelterhöhung von 1,5% eine Bruttolohnabsenkung von 52,50 Euro in nur einem Monat bei einem monatlichen Bruttoentgelt von 3.500 Euro (Lohn-Beispiel). Die Inflation ist hier noch gar nicht mit einberechnet. Das heißt, dass die Mitarbeiter*innen in 40 Berufsjahren zwischen 25.200 Euro und 50.000 Euro verlieren. Bei 150.000 Mitarbeitern spart der Arbeitgeber, bzw. der Eigentümer Bund so mindestens 3.780.000.000 Euro bis 7.400.000.000 ein. Diese Summe bekommt die Belegschaft nie wieder zurück! Und das zu einem nur kurzfristig währenden Kündigungsschutz, den niemand benötigt.

- Vereinbarungen zum Überleitungstarifvertrag, der uns die Sicherheit gibt, bei jeder Bahn zu den gleichen Konditionen arbeiten zu können, sollen verfallen.

- Die Leistungen des FairnessPlan (Brillenzuschüsse, Erholungsgelder, Zuzahlungen zu Erholungsurlauben, und vieles mehr) sollen eingestellt werden. Allein aus den Zahlungen zum Urlaubszuschuss konnte manch ein GDL Mitglied seinen gewerkschaftlichen Jahresbeitrag leisten. Auch dieses würde verfallen.

- Abschaffung des Fahrdienstuntauglichkeits-Tarifvertrages FDU TV. Somit werden nur noch 25% der bislang maximal gezahlten Abfindungen ausgezahlt und Schutzfristen der betroffenen Kollegschaft abgeschafft.

- 6stündige Mindestanrechnungen von Schichtlängen werden gekippt.

- Jahresplanungen, Planungssicherheiten und vorausschauende Schichtenplanung gehören bald der Vergangenheit an. Stattdessen wird mit Nachdruck dafür geworben, Überstunden in ein Langzeitkonto zu buchen. Nach 20 Jahren haben diese Überstunden nur noch einen Restwert von nicht einmal mehr 50%!

- Der Wegfall der vollen Betriebsrente ist ohne die GDL Verträge jetzt schon amtlich. Etc., etc…

Nach den Verlautbarungen und Wünschen des Arbeitgebers sollen in unserem Betrieb nur noch die Verträge der EVG angewandt werden. Ab diesem Zeitpunkt werden sich vielleicht sogar EVG-Mitglieder staunend und sehr bedrückt umgucken, was in diesem Land tatsächlich passiert, wenn eine seit 1867 positiv für ihre Mitglieder agierende GDL nicht mehr am Verhandlungstisch sitzt. Ja, selbst die verbeamteten Kolleginnen und Kollegen werden nicht mehr von übergreifenden Tarifregelungen partizipieren.
Und es ist auch gar nicht nötig! Wenn der Arbeitgeber behauptet, dass er verpflichtet sei, das Tarifgesetz umzusetzen, ist das nicht korrekt. Er darf allenfalls das Gesetz zur Anwendung bringen. Wenn er denn will.
Denn: Es gab das Tarifeinheitsgesetz bereits schon einmal, bevor es vom Bundesarbeitsgericht - wohl als antiquiert erachtet - im Jahr 2010 gekippt wurde. Bis dahin galt vom Grundsatz dieselbe Regelung wie heute. Und trotzdem lebten vor 2010 die verschiedensten Gewerkschaften koexistent mit ihren individuellen Tarifverträgen nebeneinander. Weil der Arbeitgeber gar keinen unlösbaren Dissens in kollidierenden Tarifverträgen erkannte und alle gültigen Tarifverträge umsetzte. Auch deshalb gelang 2008 die erfolgreiche Implementierung des eigenständigen Tarifvertrages für Lokomotivführer.

Einspar-Ideen werden dem Management sicherlich nicht ausgehen. Und jeder Mensch, der damit nicht einverstanden ist, erklärt sich automatisch unsolidarisch in unserer DB Familie. Auch weil es die Reihen in der EVG gibt, die diese Einspar-Interessen mit vorantreiben.
Dahinter steht die hohe Kunst der emotionalen Erpressung und Suggestivfragen: A` la "Du willst doch nicht, dass Dein Kollege gekündigt wird, nur weil Du so unverschämt raffgierig bist und die Inflationsrate abgedeckt haben möchtest?"

Mitarbeiter

Damit hat es für die Mitglieder und Organe der Gewerkschaft oberste Priorität, die oben genannten Gefahren abzuwehren und verhandlungsfähige Angebote einzufordern.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind damit aufgerufen ein ganz klares Signal spätestens bei den nächsten Betriebsratswahlen zu setzen! Denkt daran - Jeder darf wählen wovon er überzeugt ist. Egal welcher Herkunft oder Gewerkschaftszugehörigkeit.

Wie Sie sehen, sind wir nicht die Bösen, nicht die wirklich Verhassten, nicht die Ignoranten und schon gar nicht die Betonköpfe. Wir stehen für eine bunte Tarif-Freiheit statt graue Tarifeinheit. Wir sind nur eine Gewerkschaft. Eine sehr Gute! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Traurig daran ist nur: Das alles geschieht, während sich die EVG damit beschäftigt, Plakate und Aufkleber gegen die GDL Mitglieder mit dem Beitragsgeld ihrer EVG Mitglieder zu drucken.

Wenn Sie Lust haben, sich weiter auf unserer Homepage umzuschauen, sind Sie herzlich dazu eingeladen. Wir sind in jedem Winkel transparent und benutzen keine Passwörter mit gesperrten Bereichen. Klicken Sie einfach die Felder mit den gewünschten Themen.

Mit kollegialen Grüßen
Der Vorstand der GDL Ortsgruppe Seelze

  • Dieser Artikel bildet die "Meinung mit satirischem Einschlag" des OG Vorstands Seelze ab
  • Wir prangern keine einzelnen Personen an, sondern kritisieren das Tarifeinheitsgesetz sowie die Politik und das tarifliche Verhandlungsgebaren der hier beteiligten Institutionen
  • Bilder: Pixabay