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„Mein Herz schlägt für die Eisenbahn“

Telegramm - 31.01.2020

Mit dem Ende der Schulzeit und dem Abschlusszeugnis in der Tasche heißt es, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dazu gehört vor allem die Wahl des richtigen Berufes, entscheidet dieser doch maßgeblich über den weiteren Lebensweg.

In einer mehrteiligen Serie befragt das GDL Magazin VORAUS Jugendliche, die sich für eine Ausbildung bei der Bahn entschieden haben, über die Gründe für ihre Berufswahl, ihren betrieblichen und schulischen Alltag und über ihre Erfahrungen und Wünsche.

GDL Magazin VORAUS: Wie sind Sie zur Bahn gekommen?

Justin Ruthe: Nach meinem Realschulabschluss habe ich zunächst eine Ausbildung zum Justizfachangestellten beim Amtsgericht in Frankfurt gemacht. Doch dann dachte ich: ein Schreibtischjob? Nicht auf Dauer. Das hätte ich ein paar
Jahre lang machen können, aber ganz sicher nicht bis zur Rente. Ich wollte was anderes und als sich ein Freund von
mir bei der Bahn als Lokomotivführer bewarb, war mir klar: Ich will raus in die Welt, ich will raus auf die Schiene. Ich habe mich also beworben und nach einigen Tests und Gesprächen hatte ich den Ausbildungsvertrag auch schon in der Tasche.

GDL Magazin VORAUS: Gab es in Ihrer Familie Eisenbahner?

Justin Ruthe: Mein Großvater war Schlosser bei der Bahn, insofern wurde mir der Beruf ein bisschen in die Wiege gelegt. Außerdem wollte ich schon als Kind in der Bahn immer so sitzen, dass ich dem Lokomotivführer bei der Arbeit zugucken konnte. Die Anlagen waren also früh vorhanden.

GDL Magazin VORAUS: Warum haben Sie sich speziell bei DB Regio beworben?

Justin Ruthe: Ich will Triebfahrzeugführer bei der S-Bahn Rhein-Main werden. Für mich war daher ausschlaggebend, dass bei DB Regio in Frankfurt damals noch die Vereinbarung mit der S-Bahn existierte, wonach die Ausbildung in den ersten beiden Jahren zwar KIN-Module und Mitfahrten bei DB Regio umfasst, die Azubis später aber bei der S-Bahn weiter ausgebildet werde und dann auch zur S-Bahn gehen und dort fahren können. Nach dem Ende meiner Ausbildung
möchte ich zur Einsatzstelle nach Frankfurt kommen, denn dort werden alle neun Linien in Rhein-Main gefahren, das volle Programm.

GDL Magazin VORAUS: Was muss man für den Beruf des Lokomotivführers mitbringen?

Justin Ruthe: Jeder, der sich für diese Ausbildung entscheidet, sollte die Eisenbahn im Blut haben. Das ist kein Beruf, den man nur so nebenbei macht. Wir lernen nun mal Eisenbahner im Betriebsdienst, da gehört mehr dazu als „nur“ einen Zug zu fahren. Man muss für die Kunden da sein und sollte auch mal aufs Stellwerk gehen. Es braucht Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, seinen Horizont immer wieder zu erweitern.

GDL Magazin VORAUS: Gibt es Mängel und Schwachstellen bei der Ausbildung?

Justin Ruthe: Vieles hängt von den handelnden Personen ab. Ich bin froh dass wir einen neuen Ausbildungsfachkoordinator haben, der das Ruder wieder fester in die Hand genommen hat als sein Vorgänger. Der hat vieles schleifen lassen. So mussten wir beispielsweise viel zu lange auf die Fahrzeugausbildung und auf wichtige Seminare warten. Die standen zwar in unserem Ausbildungsplan, wurden aber einfach nicht gebucht. Das kann es nicht sein.

GDL Magazin VORAUS: Was sollte an dieser Stelle verbessert werden?

Justin Ruthe: Aus meiner Sicht muss bei der Auswahl der Fachkoordinatoren neben der fachlichen Qualifikation noch stärker auch auf die charakterliche Befähigung für den Posten geachtet werden, immerhin geht es hier um die Heranführung des Nachwuchses an den Beruf. Aber bei uns ist jetzt alles gut. Ich bin mit unserem neuen Azubi-Fachkoordinator wirklich sehr zufrieden, er macht einen sehr guten Job und ist auch auf der menschlichen Ebene ein echter Glücksgriff.

GDL Magazin VORAUS: Wie sind Sie zur GDL gekommen?

Justin Ruthe: Durch meinen Fahrtrainer, der hat von der GDL erzählt und mich immer wieder gefragt, ob ich schon Mitglied bin. Ich habe mich dann mit der Gewerkschaft befasst und gesehen, dass zu den vielen Leistungen ja auch noch der FairnessPlan dazugehört. Als mir klar wurde, wie viele Vorteile ich für einen kleinen Betrag bei der GDL erhalte, bin ich gleich eingetreten.

Das Gespräch führte Stefan Mousiol.