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„Das ist genau mein Ding!“

Telegramm - 17.11.2019

Mit dem Ende der Schulzeit und dem Abschlusszeugnis in der Tasche heißt es, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dazu gehört vor allem die Wahl des richtigen Berufes, entscheidet dieser doch maßgeblich über den weiteren Lebensweg.

In einer mehrteiligen Serie befragt das GDL Magazin VORAUS Jugendliche, die sich für eine Ausbildung bei der Bahn entschieden haben, über die Gründe für ihre Berufswahl, ihren betrieblichen und schulischen Alltag und über ihre Erfahrungen und Wünsche.

GDL Magazin VORAUS: Wie sind Sie zur Bahn gekommen?
Vanessa Rajewski: Das war zunächst eher ein Zufall. Nach dem Realschulabschluss habe ich mich 54-mal beworben, darunter als Krankenschwester, Bürokauffrau und Versicherungskauffrau. Leider folgte Absage auf Absage. Die Bewerbung bei der Deutschen Bahn war die letzte, die ich geschrieben habe. Nachdem ich den
Online-Test, das Telefoninterview und das Vorstellungsgespräch erfolgreich durchlaufen hatte, wurde ich
angenommen. Insgesamt hat der Bewerbungsprozess sieben Monate gedauert, aber es hat sich gelohnt.

GDL Magazin VORAUS: Mit welchen Erwartungen haben Sie die Ausbildung begonnen?
Vanessa Rajewski: Ich habe gehofft, viele neue nette Menschen, Situationen und Herausforderungen kennenzulernen und zu meistern.

GDL Magazin VORAUS: Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Vanessa Rajewski: Ja, die Ausbildung ist genau das, was ich gesucht habe. Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen, das ist genau mein Ding. Ich bin definitiv am richtigen Platz.

GDL Magazin VORAUS: Was gefällt Ihnen besonders gut?
Vanessa Rajewski: Jeder Tag ist neu, jeder Tag ist anders. Man weiß einfach nie, was passieren wird. Das finde ich spannend.

GDL Magazin VORAUS: Fahren Sie schon alle Schichten oder werden Sie als Auszubildende nur bedingt eingesetzt?
Vanessa Rajewski: Ich bin komplett einsetzbar. Ich habe Frühschichten, die beginnen um 3.03 Uhr, ich habe Spätschichten die gehen bis in die Nacht hinein, ich habe Nachtschichten und ich habe Tagschichten, die fangen um 6 Uhr an und enden um 18 Uhr.

GDL Magazin VORAUS: Viele Kollegen klagen über Übergriffe durch aggressive Fahrgäste. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?
Vanessa Rajewski: Tätliche Übergriffe gab es bisher noch nicht, aber ich gehe jeden Tag mit mindestens einer Beleidigung nach Hause. Für mich überwiegen die schönen Erlebnisse, vor allem wenn mich kleine Kinder mit leuchtenden Augen nach einer Kinderfahrkarte fragen.

GDL Magazin VORAUS: Sie sind jetzt im dritten Lehrjahr. Geben Sie doch bitte einen Einblick in den Verlauf Ihrer Ausbildung.
Vanessa Rajewski: Nach vier Wochen Theorie und Eingewöhnungsphase bin ich meine ersten Schichten gefahren, zunächst mit vielen verschiedenen Kollegen. Auf diese Weise lernt man die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Charaktere kennen. Im zweiten Lehrjahr sucht man sich dann drei Kollegen aus, mit denen man am besten harmoniert und setzt sie auf die Azubi-Fachvermittlerliste, das ist eine Art „Patenliste“. Von da an arbeitet man bis zum Ende der Ausbildung immer mit einem der drei Fachvermittler zusammen, meist mit dem erstgenannten auf der Liste. Wenn der krank ist, rückt der zweite nach und so weiter.

GDL Magazin VORAUS: Welche Vorteile bietet das System?
Vanessa Rajewski: Die Zusammenarbeit mit einer vertrauten Person wirkt beruhigend und gibt zusätzliche Sicherheit, falls doch mal eine unerwartete Situation auftritt. Außerdem lernt man auf diese Weise schneller und besser.

GDL Magazin VORAUS: Wie ist das Verhältnis zwischen schulischer und betrieblicher Ausbildung?
Vanessa Rajewski: Wir haben zweimal im Jahr sechs bis acht Wochen Berufsschule. Dort lernen wir das Kaufmännische, also Buchführung, Verkehrsgeografie und Wirtschaft. Bei der betrieblichen Ausbildung geht es um alles, was auf dem Zug wichtig ist, wie die Kenntnis der Fahrkarten, die unterschiedlichen Tarifsysteme
in den verschiedenen Verkehrsverbünden, die Kassenvorschriften und vieles mehr. Das ist viel Stoff und man muss sich beim Lernen ranhalten, sonst schafft man das nicht.

GDL Magazin VORAUS: Wie geht es für Sie persönlich weiter?
Vanessa Rajewski: Vor mir liegen Anfang nächsten Jahres noch einige schriftliche und mündliche Prüfungen.
Wenn ich alle bestehe, ist meine Berufsausbildung 2020 beendet und ich erhalte meinen Facharbeiterbrief von der IHK. Dann bin ich Kauffrau für Verkehrsservice. Ich freue mich darauf, das sind gute Aussichten.

Das Gespräch führte
Stefan Mousiol.