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Azubi-Tarifvertrag vereinbart

Telegramm - 11.10.2014

Die MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH stellt 2014 erstmals Auszubildende im Ausbildungsberuf „Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer/Transport (EiB L/T)“ ein und wird diese in drei Jahren zu qualifizierten Lokomotivführern ausbilden. Das Mannheimer Unternehmen ist damit eines der wenigen Eisenbahnverkehrsunternehmen, das bei der Personalrekrutierung nicht nur auf die Erwachsenqualifizierung setzt, sondern einen gesunden Mix aus beiden Bildungswegen hin zum Beruf des Lokomotivführers geht.

Bezüglich der tariflichen Regelungen der Auszubildenden bat die MEV den langjährigen Tarifpartner GDL um einen Vertragsentwurf. Die GDL übersandte daraufhin einen vom Arbeitskreis Tarif der GDL-Jugend gemeinsam mit der Tarifabteilung konzipierten Tarifvertragsentwurf. In einem informellen Gespräch, welches bereits am 27. Mai 2014 in Berlin stattfand, wurden zum einen die Vorstellungen der MEV hinsichtlich der Inhalte, der Ausgestaltung sowie der Durchführung der Ausbildungsabschnitte erörtert und zum anderen der Tarifvertragsentwurf der GDL bewertet und erste Eckpunkte über Struktur und Systematik vereinbart.

So wird es in Zukunft bei der MEV einen Azubi-Tarifvertrag geben, welcher neben den bundesweiten Rahmenregelungen für Lokomotivführer (BuRa-LfTV), dem Mantel-, dem Arbeitszeit-, Entgelt- sowie Überleitungstarifvertrag gültig ist und auf die jeweilig gültigen Tarifstellen dynamisch Bezug nimmt.

Entgelt, Zulagen und vieles mehr

Die Ausbildungsvergütung beträgt monatlich im ersten Ausbildungsjahr 720 Euro, im zweiten 770 Euro und im dritten 830 Euro. Es wurde weiterhin vereinbart, dass sich die monatliche Ausbildungsvergütung ohne gesonderte tarifvertragliche Vereinbarung automatisch um den Prozentsatz erhöht, welcher bei den Arbeitnehmern der MEV bei zukünftigen Tarifverhandlungen vereinbart wird. Daneben sind auch eventuelle Einmalzahlungen entsprechend zu leisten. Auch hat der Auszubildende Anspruch auf die Zulagen (außer die Fahrentschädigung) nach § 6 BuRa-LfTV/SGV sowie § 4 ETV der MEV. Weiterhin wird die vermögenswirksame Leistung nach § 10 MTV und die jährliche Sonderzuwendung nach § 6 Abs. 15 der bundesweiten Rahmenregelungen für Lokomotivführer im Schienengüterverkehr (BuRa-LfTV/SGV) gewährt. Die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge ist auf betrieblicher Ebene geregelt und gilt auch für Auszubildende.

Es besteht Anspruch auf Ausgleich bei auswärtiger Tätigkeit in Zusammenhang mit einer Firmenreise (beispielsweise Fahrkarten, auch ÖPNV). Außerdem werden nachgewiesene Kosten für die Ausbildung (etwa notwendige Lehrmittel, Kopiergeld in der Berufsschule) erstattet. Weiterhin besteht, falls erforderlich, Anspruch auf eine „BahnCard100“ zweiter Klasse. Auch gelten die Bestimmungen des § 12 MTV (Verpflegungspauschale).

Urlaub, Freistellung und Ausbildungszeit

Der Erholungsurlaubsanspruch richtet sich zum einen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArb-SchG) sowie den Urlaubsregelungen nach § 4 BuRa-LfTV/SGV in Verbindung mit § 8 MTV der MEV sofern sich daraus verbesserte Ansprüche ableiten lassen. Dies gilt auch für den Zusatzurlaub für Nachtarbeit nach § 4 Abs. 2 BuRa-LfTV/SGV. Zur erstmaligen Gründung eines eigenen Hausstandes erhalten die Auszubildenden zwei Kalendertage Freistellung. Für die weiteren Freistellungsregelungen, zum Beispiel Gewerkschaftsarbeit, gilt der § 9 MTV. Die regelmäßige wöchentliche Ausbildungszeit sowie die tägliche Ausbildungszeit richten sich nach dem JArbSchuG beziehungsweise nach dem Arbeitszeittarifvertrag.

Zu den nach Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Abschlussprüfungen ist dem Auszubildenden pro Prüfungstag an je zwei Ausbildungstagen Gelegenheit zu geben (in Summe sechs Tage), sich ohne Bindung an die planmäßige Ausbildung auf die Prüfung vorzubereiten. Drei dieser Tage sind mit einem zertifizierten Ausbilder beziehungsweise Trainer zu gestalten.

Weitere Regelungen

Die MEV hat sich verpflichtet, den Auszubildenden vier Monate vor dem voraussichtlichen Ende der Ausbildungszeit mitzuteilen ob sie übernommen werden oder nicht. Im Falle eines Übernahmeangebots müssen die Azubis binnen zwei Wochen schriftlich erklären, ob sie das Angebot annehmen. Dies hat den positiven Effekt, dass die Auszubildenden während der letzten drei Monate, in welchen die Abschlussprüfungen stattfinden, Klarheit bezüglich ihres weiteren beruflichen Werdegangs haben. Werden Auszubildende im Anschluss an das Berufsausbildungsverhältnis beschäftigt, ohne dass hierüber ausdrücklich etwas vereinbart worden ist, gilt das Arbeitsverhältnis als unbefristet.

Motivierte, gut ausgebildete Lokomotivführer

Die MEV setzt mit diesem Tarifvertrag Maßstäbe und die GDL hofft, dass viele weitere Bahnen folgen werden. Der Ausbildungsberuf EiB L/T ist in Bezug auf den demographischen Wandel und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel genau das richtige Mittel, um motivierte, gut ausgebildete Lokomotivführer zu generieren und langfristig an das Unternehmen zu binden. Dies gilt natürlich auch für die Deutsche Bahn, bei der die GDL in der aktuellen Tarifrunde die Tarifierung der EiB L/T innerhalb des DB-Lokomotivführertarifvertrages fordert.

L.J.


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