GDL

GDL-Bezirk Nord



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Bezirksversammlung Nord, Kiel 20.10.2016

Belastung des Zugpersonals senken

Pressemitteilung - 20.10.2016

„Wenn wir wollen, dass auch künftig noch motivierte und engagierte junge Leute Lokomotivführer und Zugbegleiter werden wollen, dann müssen wir die Arbeitsbedingungen noch ein gutes Stück verbessern“, so der mit großer Mehrheit in der Bezirksversammlung am 20. Oktober 2016 in Kiel bestätigte Vorsitzende des neu zugeschnittenen Bezirks Nord der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Hartmut Petersen. Mecklenburg-Vorpommern gehört nun zum Bezirk Berlin-Sachsen-Brandenburg. Der Bezirk besteht somit aus den Ländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie den Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Auch die stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Harald Ketelhöhn und Jan Manfras wurden mit großer Mehrheit gewählt.

Zugpersonal schiebt Millionen Überstunden vor sich her
Unter dem Motto „GDL – Der Neue Norden“ haben 72 Delegierte den neuen Bezirksvorstand gewählt und die Weichen für die gewerkschaftspolitische Arbeit der kommenden Jahre gestellt. Ganz oben auf der Agenda stehen auch in diesem Bezirk Verbesserungen von Arbeitszeitregelungen, um das Privatleben wieder planbarer und familienfreundlicher zu machen. Aktuell laufen die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn unter dem Motto „Mehr Plan, mehr Leben“. Dabei hat DB-Personalvorstand Ulrich Weber gleich behauptet, die Forderungen der GDL zur Arbeitszeit seien im Schichtdienst nach erster Bewertung nicht praktikabel, würden den Interessen der Mitarbeiter nicht gerecht und seien nicht finanzierbar. „Sind sie doch“, so der GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky und weiter: „Allerdings sind Lokomotivführer und Zugbegleiter dann eben nicht mehr vollflexibel einsetzbar.“ Die Fenster für Sonderschichten und Überstunden sollen beispielsweise mit einer durchschnittlichen Fünf-Tage-Woche spürbar minimiert werden. „Heute arbeitet das Zugpersonal nach Schichtplänen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen, und schiebt Millionen Überstunden vor sich her“, so Weselsky. Zwar verkündet die DB, sie habe die Überstunden verringert. Das geschah aber zum größten Teil über Ausbezahlung von Überstunden und Verschiebung in Langzeitkonten, partiell sind die Überstunden sogar gewachsen. „Eine Senkung der Belastung der Lokomotivführer und Zugbegleiter sieht anders aus“, so Weselsky.

Auch in den Tarifverhandlungen mit den Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (evb) und dem metronom stehen verbesserte Arbeits- und Ruhezeitregelungen ganz oben auf der Agenda. Bei der evb ist die Tarifrunde allerdings vorgestern gescheitert.

1 000 Lokomotivführer fehlen
Die Probleme bei der Arbeitszeit resultieren nicht zuletzt aufgrund von Personalmangel. Bundesweit fehlen mehr als 1 000 Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter. Allein bei der DB sind 800 Lokomotivführer zu wenig. Beim „metronom“ bleiben derzeit Züge wegen Personalmangels stehen. Besonders schlimm ist der Mangel in den Ballungsgebieten Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel, wo es kaum bezahlbaren Wohnraum gibt. Petersen: „Wo Fachpersonal fehlt, häufen sich Überstunden und unsere Kollegen werden immer kurzfristiger zum ohnehin schon unregelmäßigen Schichtdienst eingeteilt.“

Infrastruktur aus Gewinnerzielung herausnehmen
Herd für Verspätungen und damit Überstunden ist auch das marode Schienennetz. Seit der Privatisierung 1994 wurde Schieneninfrastruktur abgebaut, um Gewinne zu erzielen. Weichen wurden entfernt, Ausweichgleise stillgelegt und Güterverkehrsstellen geschlossen. Weselsky: „Das muss ein Ende haben. Vielmehr muss das Netz nachhaltig saniert werden.“ Deshalb fordert die GDL eine Zusammenlegung der DB Netz AG, der DB Station und Service AG und der DB Energie AG und diese Unternehmen aus der Gewinnerzielung zu nehmen. GDL-Bundesvorsitzender: „Gewinnerzielung ist Augenauswischerei, wenn der Bund dem Netz um die drei Milliarden Euro zuführt und dann 900 Millionen Euro an Dividende wieder zurückbekommt.“