GDL - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

  *** Offlineseite ***

» Bilanz-Pressekonferenz DB: Noch 600 Lokomotivführer

Der Schienengüterverkehr schwächelt weiter. DB Cargo fuhr im ersten Halbjahr einen Verlust von 127 Millionen Euro ein. Der DB-Vorstandsvorsitzende Richard Lutz machte dafür den Bahnstreik in Frankreich und den Sturm Friederike verantwortlich, räumte aber in der gestrigen Halbjahres-Bilanz-Pressekonferenz in Berlin auch „hausgemachte Schwächen“ ein. ... mehr

Die Belastung steigt

GDL Aktuell - Voraus - 31.07.2018

Der tägliche Wahnsinn  © Heiko Sakurai
Der tägliche Wahnsinn © Heiko Sakurai

Die Arbeitsverdichtung hat die Arbeitswelt dramatisch verändert. Die Arbeitsbelastung der Lokomotivführer und Zugbegleiter nimmt immer mehr zu. Selbst der „Heilsbringer“ Digitalisierung kann gerade in der Übergangszeit zu erheblicher Mehrbelastung führen.

Die DB hat unzählige Rangierbahnhöfe und Ausweichgleise stillgelegt. Gleichzeitig ist aufgrund des jahrzehntelangen Investitionsstaus das Streckennetz nun bundesweit von Baustellen überzogen. Dabei sind im eng getakteten Schienenverkehr Fahrpläne meist ohnehin schon bis zum Anschlag ausgereizt. Hinzu kommt in vielen Regionen Personalmangel. Die Pünktlichkeitsbilanz fällt unter solchen Bedingungen trotz aller Anstrengungen und selbst ohne Wetterkapriolen verheerend aus. So sind beispielsweise nur noch drei Viertel der Fernverkehrszüge pünktlich. Das nervt nicht nur die Fahrgäste. Es ist auch eine Belastung für Lokomotivführer und Zugbegleiter, denn das Wichtigste für sie ist es schließlich, die Fahrgäste sicher, zuverlässig und pünktlich ans Ziel zu bringen.

Belastung durch Digitalisierung

So segensreich Digitalisierung und Fahrassistenzsysteme sein können, so viele Probleme bringen sie auch mit sich, insbesondere in der Übergangszeit, bis die Technik ausgereift ist, denn meist sind zu Beginn noch nicht alle Kinderkrankheiten beseitigt. So sorgte das digitale Zugsteuerungssystems ETCS auf der Schnellfahrstrecke Berlin-München zunächst für gravierende Störungen. Aber auch scheinbare Kleinigkeiten bereiten Probleme. So kann das Tablet nicht vernünftig am Führerpult verankert werden. Die geteilten Bildschirme im Fernverkehr sind schlecht lesbar – erst recht, wenn die Sonne scheint. Zahlreiche Beschwerden gab es auch, weil es bei den Weisungen oft ewig dauert, bis man sich „durchgeklickt hat.“ Nicht jeder ist auch mit einem neuen Tablet gleich „per du“.

Anzahl der Signale steigt

Hinzu kommt: Die Anzahl der Signale, die Lokomotivführer verarbeiten müssen, steigt. Sie müssen auf Strecken und Displays achten und gleichzeitig den Zugfunk bedienen. Außerdem strömen immer mehr regionale und überregionale Weisungen auf die Lokomotivführer ein. Nicht zu vergessen sind die ständigen Hintergrundgeräusche der Maschinen.

Fazit: Die ohnehin durch den unregelmäßigen Schichtdienst schon hohe Belastung der Lokomotivführer wird immer höher. Wenn dann noch die Klimaanlage ausfällt und der Führerstandssitz defekt ist, dann ist das Führen der Züge Schwerstarbeit.

Arbeit/Freizeit: keine Grenzen

Verstärkt werden diese Probleme durch die Auflösung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Durch privat nutzbare Diensthandys und -Tablets sind Beschäftigte auch in der Freizeit erreichbar, was dazu führt, dass die Kollegen von jetzt auf gleich zum Dienst beordert werden können. So mancher Arbeitgeber stellt sich sogar vor, dass die Weisungen in der Freizeit gelesen werden. Nicht zuletzt wird bei Weitem noch nicht in allen Betrieben die Schichtplanung „Mehr Plan, mehr Leben“ konsequent umgesetzt, sodass die Kollegen ihre Freizeit immer noch nicht verlässlich planen können.

Pausen zwingend notwendig

Regelmäßige, ausreichende Pausen während der Arbeit und ein planbarer erholsamer Feierabend sind jedoch zur wirksamen Erholung zwingend notwendig, damit Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erhalten bleiben. Umfragen bestätigen: Beschäftigte, die sich am Feierabend gut von den Arbeitsbelangen distanzieren können, berichten ein höheres körperliches und mentales Wohlbefinden, fühlen sich weniger ermüdet und erschöpft, stärker erholt und berichten eine höhere Arbeitsleistung. Umgekehrt kann das Grübeln über die Arbeit am Feierabend die Erholung beeinträchtigen, wodurch in der Folge die Wahrscheinlichkeit steigt, am nächsten Tag müde zur Arbeit zu kommen.

Wie Pausen am besten zu gestalten sind, erfahren Sie im Interview mit dem Psychologen Gerd Reimann auf den Seiten 18 bis 19. „Die Bedeutung von Arbeitsschutz für Schichtarbeit und Arbeitszeitgestaltung“ behandelt Michael Bublies in der Serie „Betriebsräte haben es in der Hand“ auf den Seiten 15 bis 17.
G. S.

» Download Artikel als PDF

Mehr zum Thema Flächentarifvertrag


Projekte, Angebote, Veranstaltungen