GDL - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

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» Betriebsratswahlen 2018: Nicht mit fremden Federn schmücken: GDL erzielte ehrliches Ergebnis

Bei den Betriebsratswahlen in den Eisenbahnverkehrsunternehmen hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) leichte Mandatszuwächse erzielt, musste aber trotzdem an einigen Stellen den Verlust von Mehrheiten in Wahlbetrieben hinnehmen. ... mehr

Betriebsräte haben es in der Hand

Erste Wahl für bessere Arbeitsbedingungen

GDL Aktuell - Voraus - 02.03.2018

Krank durch den Arbeitsplatz, als Folge unregelmäßiger Schichtarbeit, ständigen Stresses und permanenten Zeitdrucks? Körperliche Beschwerden aufgrund schlechter Sitze, Lärm, mangelhafter Klimatisierung? Eine erhöhte psychische Belastung, resultierend aus der Angst vor Übergriffen oder infolge traumatisierender Erlebnisse?

Die Liste der gesundheitsgefährdenden Faktoren unter denen das Zugpersonal am Arbeitsplatz zu leiden hat, ist lang und ließe sich noch deutlich erweitern. Erhärtet wird der triste Befund durch objektive Zahlen. So veröffentlichte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) im Februar 2018 eine auf Angaben des Dachverbands der Betriebskrankenkassen beruhende Studie zum Krankenstand in Deutschland. Demzufolge nehmen die Servicekräfte im Personenverkehr – dazu gehören insbesondere Lokomotivführer und Zugbegleiter – mit 29,1 Prozent Platz 1 unter den fünf Berufsgruppen des Jahres 2016 mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen ein. Die Verkehrsbranche insgesamt belegt mit durchschnittlich 22,4 Prozent Arbeitsunfähigkeitstagen pro Jahr (hinter Postdiensten und der Abfallbeseitigung) den dritten Platz in der Erhebung.

Die Studie bestätigt zudem eindrucksvoll den engen Zusammenhang zwischen steigendem Alter und krankheitsbedingten Fehlzeiten. So wies beispielsweise die Gruppe der 55- bis 59-jährigen Mitglieder der Betriebskrankenkassen 2016 mit 27 Krankentagen pro Jahr das Doppelte der 35- bis 39-Jährigen auf – ein Wert, der sich durchgängig auch in der vergleichenden Betrachtung anderer Altersgruppierungen wiederfindet. Diese Daten sind nicht zuletzt vor dem Hintergrund des stetig steigenden Durchschnittsalters in den Eisenbahnverkehrsunternehmen durchaus beunruhigend.

Erkenntnisse bleiben ohne Auswirkungen

Im Laufe der letzten Jahre hat sich im Normenbereich des Arbeitsschutzes einiges an Positivem getan. Grund sind viele neue und gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, die sich zunehmend im Arbeitsschutzgesetz, den Arbeitsstättenrichtlinien, weiteren nationalen Normen wie der DIN und Verordnungen wie der Betriebssicherheitsverordnung wiederfinden. Europäisch und international spiegeln die einschlägigen Normen (EN und ISO) und Verordnungen sowie Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO diese Entwicklung ebenso deutlich wider. Doch so wichtig diese neuen Erkenntnisse für das physische und psychische Wohlbefinden auch sind, so scheinen sie auf dem deutschen Eisenbahnverkehrsmarkt bisher noch nicht angekommen zu sein. Man könnte meinen, hier sei die Zeit einfach stehengeblieben. Darüber können weder die Hochglanzbroschüren der Arbeitgeber, noch globale Auswertungen von Konzernumfragen, rosarot eingefärbte Betriebszeitungen, Jubelmeldungen der einschlägigen Presse oder einseitige wissenschaftliche Untersuchungen arbeitgebernaher arbeitswissenschaftlicher Institute hinwegtäuschen.

Recht auf Gesundheit am Arbeitsplatz

Wer darauf baut, dass Arbeitgeber von alleine aktiv werden oder die Industrie von selbst den Arbeitsplatz optimal gestaltet, hofft vergebens. Auch mit den anderen im Arbeitsschutz Beteiligten wie Betriebsärzten oder Unfallversicherungsträgern hat das Zugpersonal leider nicht die schlagkräftige Lobby, die es für die Durchsetzung solcher umfassenden und grundsätzlichen Systemveränderungen benötigt.

Denn klar ist: Fortschritte werden nicht durch nettes Zureden oder Appelle erreicht, sondern meist nur durch entsprechenden Druck. Das Zugpersonal hat das gesetzlich wie auch tarifvertraglich verbriefte Recht auf einen seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden zuträglichen Arbeitsplatz. Kein Beschäftigter darf Gefahr laufen, durch unregelmäßige Schichtarbeit, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen oder unergonomische Arbeitsmittel beziehungsweise Arbeitsbedingungen physisch oder psychisch zu erkranken und dadurch vorzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden.

Universalwerkzeug Gefährdungsbeurteilung

Die GDL ist bereit, den nötigen Druck zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen aufzubauen und die Rechte des Zugpersonals auf breiter Ebene umzusetzen. In der kommenden Betriebsratswahlperiode wird sie den seit Jahrzehnten bestehenden Problemen an den Arbeitsplätzen intensiv auf den Grund gehen. Die Betriebsräte bedienen sich dabei vor allem der nach Arbeitsschutzgesetz zwingend vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung und ihren dazu umfassend bestehenden Mitbestimmungsrechten. Eine vollständige Auflistung aller möglichen Gefährdungen, die Berücksichtigung von Wechselwirkungen sowie die Durchsetzung tatsächlich wirksamer, dem Stand der Wissenschaft und Forschung entsprechender Maßnahmen wird dabei durch die Hinzuziehung neutraler Sachverständiger aus den Bereichen der Arbeitswissenschaften und der Ergonomie, sowie unabhängiger Psychologen und Arbeitsmediziner sichergestellt.

Starke und unbestechliche Betriebsräte

Der Kampf um bessere Verhältnisse am Arbeitsplatz benötigt die Stärke einer kampferprobten und durchsetzungsfähigen Gewerkschaft. Gebraucht werden starke und unbestechliche Betriebsräte, die nicht auf dem Schoß der Geschäftsführungen sitzen oder Angst um die eigenen Pfründe haben. Wer sich vor Augen führt, wie die GDL die tariflichen Bedingungen des Zugpersonals in einer beispiellosen Folge von Arbeitskämpfen und Tarifabschlüssen stetig verbessert hat, der weiß, dass er sich auf die Zusage einer konsequenten betrieblichen Interessenvertretung verlassen kann.

Die GDL hält, was sie verspricht. Im Gegensatz zu anderen gewerkschaftlichen Akteuren betreibt sie keinen öffentlichkeitswirksamen Aktionismus, der sich in ewigen runden Tischen, folgenlosen Absichtserklärungen oder dem Bedrucken vieler bunter Blätter beschränkt. Wer bisher die überwiegende Mehrheit in den entsprechenden Gremien innehatte und es nicht geschafft hat, dort für mehr echte Aktivität zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu sorgen, der ist offenbar zum Büroeisenbahner geworden und befindet sich weit weg von den Problemen des Zugpersonals und der Basis aller Eisenbahner.

Verantwortung liegt bei den Arbeitgebern

Der Einsatz der GDL ist umso nötiger, als die Arbeitgeber und ihre Unterstützer immer öfter dazu übergehen, die Verantwortung für den Erhalt der Gesundheit am Arbeitsplatz den Beschäftigten selbst zu übertragen. Das aber hat aus Sicht des Arbeitsschutzes den geringsten Effekt und sollte normalerweise nur begleitend erfolgen. Die Methode hat natürlich System und ist darauf ausgelegt, viel Wind um die am wenigsten wirksamen Lösungsansätze zu machen. Doch mit Übungen, Workshops oder Schulungen können niemals alle Kollegen mitgenommen werden – nicht auf Dauer und nicht wirklich nachhaltig. Außerdem verschleiert es die eigentliche Verantwortung, denn eines sollte nie vergessen werden: Der Schutz vor krankmachenden Bedingungen am Arbeitsplatz liegt bei den Arbeitgebern und muss zuallererst von diesen gewährleistet werden. Auch hier gilt es dagegenzuhalten und allen Verantwortlichen den Finger in die Wunde zu legen.

GDL ist die einzig richtige Wahl

Kurzum: Es ist höchste Zeit, dass sich etwas Grundsätzliches ändert. Die Probleme des Zugpersonals beim Arbeitsschutz müssen aufgegriffen, ernst genommen, und vor allem gelöst werden. Diesen Lösungsweg werden die Betriebsräte der GDL konsequent beschreiten. Zum Wohle des Zugpersonals – und auch auf Kosten der Arbeitgeber, wenn diese den Weg nicht mitgehen wollen. Der Mensch hat endlich wieder im Mittelpunkt des Systems Eisenbahn zu stehen und zwar sowohl bei der Gestaltung der Arbeitsplätze als auch unter allen weiteren fachlichen, strategischen und ökonomischen Gesichtspunkten. Zur Durchsetzung dieser Maxime ist die GDL die einzig richtige Wahl!

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