GDL - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

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Bei den Betriebsratswahlen in den Eisenbahnverkehrsunternehmen hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) leichte Mandatszuwächse erzielt, musste aber trotzdem an einigen Stellen den Verlust von Mehrheiten in Wahlbetrieben hinnehmen. ... mehr

Auftaktveranstaltung Betriebsratswahlen 2018

Ring frei zur nächsten Runde!

GDL Aktuell - Voraus - 02.03.2018

Regina Halmich begeisterte in Göttingen die mehr als 1 200 GDLer.     -   Foto:  Gerda Seibert
Regina Halmich begeisterte in Göttingen die mehr als 1 200 GDLer.   -   Foto: Gerda Seibert

Mit einem Wahlkampfauftakt in der Göttinger Lokhalle eröffnete die GDL am 22. Februar 2018 die anstehenden Betriebsratswahlen. „Ring frei zur nächsten Runde“ ertönte es programmatisch aus den Lautsprechern, bevor die Rock'n'Roll Band Boppin‘B ihren eigens für die GDL komponierten Song „Zusammenhalt erleben“ live darbot.

Halmich: Für seine Ziele kämpfen

„Es lohnt sich immer, für seine Ziele zu kämpfen – egal, wie viele Hindernisse man dabei überwinden muss.“ Das war die Kernbotschaft, die Stargast Regina Halmich den mehr als 1 200 GDLern auf den Weg gab.

Die erfolgreichste Boxerin aller Zeiten hat ihre Erfahrungen aus dem Profisport weitergegeben und wusste auch sonst die GDL-Mitglieder zu überzeugen und zu begeistern: „Ich bin nie einen Schritt zurückgegangen – es sei denn, um Anlauf zu nehmen", so Halmich. Der Aufstieg der mehrfachen Boxweltmeisterin war ziemlich steinig. Bei ihrem ersten WM-Kampf ging sie in der fünften Runde zu Boden. Unterm Auge floss Blut, „Bild“ titelte: "Wollen wir das sehen?” Ein russischer Bürgermeister wollte sie nach einem erfolgreichen Boxkampf gar an den Herd verbannen. Von den GDLern erhielt sie für ihre Rede donnernden Applaus.

Vier erfolgreiche Jahre

Mehr als 1 200 Kollegen waren in ihrer Freizeit nach Göttingen gekommen. Dass es sich gelohnt hat, zeigten die Mitglieder auch mit ihrer Bewertung. Auf 92 Prozent der Antworten stand das Kreuz bei der Frage „wie hat Ihnen die Veranstaltung gefallen?“ auf dem grünen Daumen. Bereits vor vier Jahren hatte die GDL in der Göttinger Lokhalle das Startsignal für vier anstrengende, aber erfolgreiche Jahre gegeben. In dieser Zeitspanne wurden zwei große Tarifkonflikte mit der DB erfolgreich ausgetragen, inklusive zahlreicher Streiks und zwei Schlichtungen.

Der Kampf hat sich gelohnt. Die GDL konnte für ihre Mitglieder „mehr Plan, mehr Leben“ durchsetzen – und zwar nicht nur bei der DB, sondern auch bei den meisten Wettbewerbsbahnen. Hinzu kommt: Konnte der FairnessPlan e.V. vor vier Jahren nur für DB-Lokomotivführer aktiv sein, bietet er heute Leistungen für alle GDL-Mitglieder bei der DB und vielen anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen an. „Diese Erfolge fallen nicht einfach vom Himmel“, so der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter und weiter: „Das Vertrauen und die Solidarität unserer Mitglieder stärken uns. Dadurch können wir uns auch künftig stark, unbestechlich und erfolgreich für die berechtigen Interessen des Zugpersonals einsetzen.“

Schutzschild weiter ausbauen

Seit 2014 konnten die Betriebsräte der GDL viele betriebliche Probleme lösen. So haben sie durchgesetzt, dass zahlreiche Meldestellen erhalten blieben. „myPlan“ ist in der Versenkung verschwunden. Nicht zuletzt haben die Betriebsräte teils unter Einberufung von Einigungsstellen viel für den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit erreicht. Dabei haben die GDL-Betriebsräte auch die Konfrontation mit dem Arbeitgeber nicht gescheut.

Stärke nutzen, Verbesserungen erreichen

Nach wie vor gehören jedoch massive Probleme zum Alltag der Beschäftigten:

  • Konflikte mit Fahrgästen,
  • permanenter Zeitdruck,
  • defekte oder unvollständige Arbeitsmittel,
  • jede Menge Vorschriften übertragen auf Handys und Tablets.

Quitter: Bei letzterem überlässt es der Arbeitgeber jedem selbst, damit umzugehen und sich auf dem Laufenden zu halten.“ Mache aber jemand einen Fehler, dann habe er vom Arbeitgeber keine Unterstützung zu erwarten. „Es ist Zeit, dass wir uns mit unserer Stärke auch hier durchsetzen und fühlbare Verbesserungen erreichen. Die anstehenden Betriebsratsratswahlen sind dafür genau der richtige Zeitpunkt“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende.

In seinem Grußwort nahm der zweite Vorsitzende des dbb Friedhelm Schäfer das Thema Sicherheit auf und schloss dabei auch den öffentlichen Dienst mit ein. Er unterstrich energisch, dass Attacken gegen Beschäftigte, die Arbeit für den Bürger leisten, absolut inakzeptabel seien. „Solche Taten müssen künftig konsequent verfolgt und geahndet werden.“ Darüber hinaus gab Schäfer einen kurzen Einblick in die Beamtenversorgung und die Tarifrunde zum öffentlichen Dienst. In einem weiteren Grußwort betonte der Rechtswissenschaftler Professor Wolfgang Däubler seine Verbundenheit mit der GDL: „Die GDL ist eine lebendige Gewerkschaft und auftretende Probleme werden schnell und im Interesse der Mitglieder angegangen. Dabei steht sachkundige Mitgliedernähe im Mittelpunkt und sorgt für den nötigen inneren Zusammenhalt. Betriebsräte sind und bleiben dauerhaft ein wichtiges Instrument in der Interessenvertretung.“ Deshalb seien die bevorstehenden Wahlen auch ein Zeugnis für die bisherigen Leistungen der Betriebsräte.

Tarif- und Betriebsparteien eine Einheit

Bei den kommenden Wahlen gilt es nicht nur, die erreichten Mehrheiten zu verteidigen, sondern neue hinzugewinnen. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: „Trotz zahlreicher Verbesserungen, etwa bei den Arbeitszeit- und Ruhetagsregelungen und der Planbarkeit im unregelmäßigen Schichtdienst, ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die Arbeitgeber würden die Kollegen am liebsten weiterhin von jetzt auf gleich zum Dienst beordern. Verhindern können das nur unsere starken Betriebsräte. Sie sind das Schutzschild der Beschäftigten und für die Durchsetzung der Tarifverträge verantwortlich. Im Ring und im Wahlkampf kann sich niemand verstecken.“ Die Einheit von Tarifvertrags- und Betriebspartei sei durch die Übernahme der Verantwortung in den Betriebsräten der Eisenbahnverkehrsunter-nehmen im Jahr 2018 zu vollenden.

Infrastruktur sträflich vernachlässigt

Weselsky kritisierte, dass die Arbeitgeber ihre Hausaufgaben bisher nur ungenügend gemacht hätten. So werde die Infrastruktur in der Fläche seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt. „Wo früher Ausweichgleise und Abstellbahnhöfe waren, blühen heute die Disteln. Ist eine Weiche kaputt, muss der Mitarbeiter erst einmal drei Stunden anreisen, bis er überhaupt zur Weiche kommt“. Zugverspätungen und Zugausfälle seien somit hausgemacht. Stattdessen werde viel Geld in sinnlosen Leuchtturmprojekten wie Stuttgart 21 verbrannt.

Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur ließe sich auch durch die aktuellen Investitionen nicht von heute auf morgen beheben. „Die GDL fordert deshalb eine Bahnreform II“, so Weselsky. „DB Netz, DB Energie und DB Station & Service müssen zusammengefasst und aus der Gewinnverpflichtung herausgenommen werden. Die Infrastruktur kann dann in einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft oder GmbH eben ohne Gewinnerzielung betrieben werden.“ Zudem müsse sofort ein Taktfahrplan für den gesamten Schienenverkehr aufgestellt und umgesetzt werden. „Ohne gute Schieneninfrastruktur mit Taktfahrplan kann es keine Verkehrsverlagerung auf die Schiene geben“, so Weselsky. „Stattdessen verschwenden wir dann weiterhin Milliarden für Staus und bekommen keine bessere Luft in den Städten.“

Personalmangel und Überalterung

Der Bundesvorsitzende kritisierte auch den Personalmangel in Folge der Privatisierung. So fehlen auf der Schiene in Deutschland derzeit mehr als 1 200 der rund 29 000 Lokomotivführer. „Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Die DB hat mit dem jahrzehntelangen Personalabbau auch die Ausbildungskapazität zurückgefahren, was das Problem weiter verschärft.“ Zudem liege das Durchschnittsalter der Lokomotivführer im Unternehmen DB bei schon fast 50 Jahren. Somit gingen in den kommenden Jahren zahlreiche Lokomotivführer in den Ruhestand. Weselsky: „Den Vogel abgeschossen hat jedoch der ehemalige DB-Chef Rüdiger Grube mit seiner Behauptung: Ab 2021 fahren die Züge autonom! Wie soll sich denn heute ein junger Mensch für den Beruf des Lokomotivführers entscheiden, wenn so genannte Spitzenmanager den Tod unseres ehrenwerten Berufs herbeireden.“ Im offenen Schienennetz mit dem durchmischten Verkehr werde es noch Jahrzehnte dauern, bis Züge ohne Lokomotivführer fahren. Ganz zu schweigen, von den Kosten, die dazu die Sicherung der Infrastruktur verursacht. „Das DB-Management kapituliert täglich vor den Kaffeemaschinen im Bordbistro, will aber die Lokomotivführer abschaffen“, so Weselsky und weiter: „Bevor diese Managerträume wahr werden dürfen, müssen sie erst einmal beweisen, dass sie im Hier und Jetzt eine sichere, pünktliche und zuverlässige Eisenbahn betreiben können.“

Verlässlicher Partner und tragende Kraft

Im Hinblick auf die Betriebsratswahlen wies der Bundesvorsitzende zum Abschluss noch einmal eindringlich darauf hin, dass gerade in Fragen der Listenerstellung jedes persönliche Interesse hinter die Belange der GDL zu stellen sei: „Wir lassen es nicht zu, dass egoistische Einzelne unsere Geschichte, unsere Erfolge und unsere Vision für ein Linsengericht verkaufen. Die Bildung freier Listen lehnen wir konsequent ab.“

Weselsky zeigte sich indes zuversichtlich, dass die Wähler die konsequente betriebliche Interessenvertretung durch die GDL in den letzten vier Jahren mit dem Kreuz an der richtigen Stelle honorieren werden: „Unser Motto ‚stark, unbestechlich, erfolgreich‘ ist Markenzeichen und Gütesiegel zugleich. Der verlässliche Partner für das Zugpersonal sind wir als GDL. Die tragende Kraft sind die GDL-Betriebsräte vor Ort!“

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