GDL - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

  *** Offlineseite ***

» Betriebsratswahlen 2018: Nicht mit fremden Federn schmücken: GDL erzielte ehrliches Ergebnis

Bei den Betriebsratswahlen in den Eisenbahnverkehrsunternehmen hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) leichte Mandatszuwächse erzielt, musste aber trotzdem an einigen Stellen den Verlust von Mehrheiten in Wahlbetrieben hinnehmen. ... mehr

Wieder Streiks bei der Erfurter Bahn und der Süd Thüringen Bahn

GDL Aktuell - Pressemitteilung - 02.05.2018

Der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky (Mitte) beim GDL-Streik bei der Erfurter Bahn und der Süd Thüringen Bahn am 2. Mai 2018 in Erfurt.    -   Foto:  GDL
Der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky (Mitte) beim GDL-Streik bei der Erfurter Bahn und der Süd Thüringen Bahn am 2. Mai 2018 in Erfurt.   -   Foto: GDL

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ruft die Lokomotivführer, Zugbegleiter, Teamleiter, Ausbildungslokomotivführer und Disponenten der Erfurter Bahn (EB) und der Süd Thüringen Bahn (STB) am morgigen Donnerstag, dem 3. Mai 2018 von 3.20 bis 9 Uhr, nochmals zum Arbeitskampf auf.

Geschäftsführer träumt von zehn Prozent, GDL nennt Fakten mit 86 Prozent

Statt endlich die schlechten Arbeitsbedingungen zu beenden und der GDL ein verhandelbares Angebot zu unterbreiten, haben die EB und die STB versucht, den heutigen, knapp fünfstündigen Arbeitskampf der GDL kleinzureden und die Beeinträchtigungen der Fahrgäste herunterzuspielen. So behaupten sie tatsächlich, dass nur zehn Prozent der Beschäftigten gestreikt hätten. Fakt ist aber, dass 86 Prozent der Lokomotivführer beim Streik die Arbeit niedergelegt haben. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: „Der Geschäftsführer der EB und der STB, Michael Hecht, träumt von zehn Prozent und wir nennen die Fakten mit 86 Prozent.“

Wie kann das sein?

  • Bei der Erfurter Bahn gehören von den 337 Mitarbeitern des Unternehmens 245 zu den von der GDL zum Streik aufgerufenen Berufsgruppen, bei der Süd-Thüringen-Bahn 141 von 168.
  • Es befindet sich, bezogen auf einen kompletten Kalendertag, rund ein Drittel der Beschäftigten im Dienst. Bei der EB sind das somit 80, bei der STB 47 Beschäftigte, die zum Arbeitskampf aufgerufen wurden.
  • Faktisch hatten jedoch nur rund 50 Lokomotivführer in der Streikzeit zwischen 3.20 und 8 Uhr Dienst und davon hatten 43 am Streik teilgenommen. Somit haben sich 86 Prozent der diensthabenden Lokomotivführer am Arbeitskampf beteiligt.

Der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky bilanzierte die Mythen des Geschäftsführers mit den Worten: „Wir lassen uns von getürkten Statistiken nicht in die Irre führen. Wir kennen die Solidarität unserer Kollegen. Sie ist das, was uns stark macht.“

Angst vor Repressalien

Zwar sind tatsächlich noch einige Züge gefahren. Das lag zum einen daran, dass beide Unternehmen Verwaltungspersonal einsetzten. Zum anderen herrscht im Unternehmen Angst vor Repressalien, sodass die befristet eingestellten, streikbereiten GDL-Mitglieder von der GDL bewusst außen vor gelassen wurden. Es ist die Mehrzahl der neu eingestellten Arbeitnehmer der EB und STB, die ihren Arbeitsvertrag mehrfach befristet bis zu zwei Jahren verlängert bekommt, bevor sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten – sofern sie sich in den Augen des Arbeitgebers wohlfeil verhalten haben. Da am Arbeitsmarkt ein massiver Mangel an Lokomotivführern herrscht, ist ein solch unsäglicher Zustand ein Einstellungshemmnis für Lokomotivführer und Zugbegleiter in beiden Unternehmen, weshalb das angestammte Zugpersonal eine verheerende Überstundenbilanz aufweist. „Das ist auch der Grund, warum beide Unternehmen den Wegfall der Überstundenverpflichtung durch den GDL-Tarifvertrag fürchten, wie der Teufel das Weihwasser“, so Weselsky.

Es wird sich jedoch zeigen, wer den längeren Atem hat

Hecht sollte sich jedoch nicht zu früh freuen und seine aussichtslose Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Fahrgäste austragen. Vielmehr sollte er die Interessen seiner Fahrgäste ernst nehmen. Weselsky: „Es ist eben nicht die schönste Nebensache der Welt, die Fahrgäste sicher und pünktlich von A nach B zu bringen. Es ist das Kerngeschäft. Die Fahrgäste haben Ehrlichkeit verdient und keine geschönten Statistiken, denn sie stehen morgens am Bahnsteig, wenn die Züge nicht fahren.“ Für wenige Stunden können Verwaltungsangestellte schon mal den Fahrdienst übernehmen. „Es wird sich jedoch zeigen, wer den längeren Atem hat. Wir sind uns sicher, dass wir mit der Kraft unserer Mitglieder auch bei der Erfurter Bahn und der Süd Thüringen Bahn bessere Arbeitsbedingungen erreichen“, so der GDL-Bundesvorsitzende.

Bis zu 40 Prozent unter dem Flächentarifvertrag

Das Tarifniveau des Zugpersonals beider Häuser liegt weit unter dem des GDL-Flächentarifvertrags BuRa-ZugTV, der in fast allen Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland gilt. Lokomotivführer erhalten bis zu 25 Prozent weniger, Disponenten sogar bis zu 40 Prozent weniger.


Projekte, Angebote, Veranstaltungen