GDL - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer

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Rückblick 2017

Mehr Plan, mehr Leben

GDL Aktuell - Voraus Leitartikel - 13.12.2017

Ein Kernthema war auch im Jahr 2017 eindeutig die Senkung der Belastung des Zugpersonals. In diesem Jahr ist es uns gelungen, die meisten unserer anspruchsvollen Forderungen dazu umzusetzen. Mit „mehr Plan, mehr Leben“, der Reduzierung der Arbeitszeit und der Begrenzung der Überstunden kann das Zugpersonal den unregelmäßigen Schichtdienst nun besser bewältigen.

Meilenstein bei der DB

Den größten Meilenstein dazu haben wir bei der DB erreicht. Obwohl sie lange vehement bestritt, dass „Mehr Plan, mehr Leben“ für das Zugpersonal überhaupt umsetzbar sei, haben wir am 10. März nach zähen Verhandlungen und einer schwierigen Schlichtung 15 Tarifverträge unterzeichnet. Maßgeblich dazu beigetragen haben das Verhandlungsgeschick und der Sachverstand der beiden Schlichter Bodo Ramelow und Matthias Platzeck.

So wird das Zugpersonal durch verbesserte Arbeitszeit- und Ruhezeitregelungen und eine verbindliche Schichtplanung künftig in der Lage sein, seine Freizeit verlässlich und stabil zu planen. Das heißt: Schluss mit der Ungewissheit etwa bei Reisen, schulischen Anlässen und Vereinsaktivitäten und es bedeutet zugleich eine endlich wieder bessere soziale Einbindung der Beschäftigten. Alle Zeiten, die nicht mit Schichten/Schichtrahmen oder Dispositionszeiträumen belegt sind, gelten als verbindlich zugesagte Freizeit, ob sie nun im Jahresruhetagsplan als Ruhetage gekennzeichnet sind oder nicht. Wichtig war auch die Verbesserung der Struktur der Entgelttabellen für das gesamte Zugpersonal. Mit der allgemeinen Entgelterhöhung um 2,5 Prozent zum 1. April 2017 und einer Einmalzahlung wurde das Tarifpaket kom-plettiert.

Tariferfolge außerhalb der DB

Auch bei den DB-Mitwettbewerbern konnten wir in diesem Jahr wieder punkten. Wir konnten die Entgelt- und Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen mit den NE-Bahnen deutlich verbessern. So haben wir in allen Tarifabschlüssen 2017 die Regelungen unseres Flächentarifvertrags verankert, sei es nun als externer Rahmentarifvertrag oder als Teil A eines Teiltarifvertrags. Teils werden sie stufenweise eingeführt. Damit ist für das Zugpersonal eine verlässliche Steigerung des Einkommens, bezogen auf die Berufserfahrung garantiert. Das Verhältnis von Arbeitszeit zu Entgelt haben wir ebenso fixiert wie die wichtigsten Zulagen. Viele Lokomotivführer und Zugbegleiter haben ab 2018 Referenzarbeitszeit von 38 Stunden. Nicht zuletzt haben wir auch bei den DB-Wettbewerbern die Arbeits-und Ruhezeitregelungen entscheidend verbessert.

Alle Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr, die wir in diesem Jahr tarifiert haben, sind außerdem schon den Betreiberwechseltarifverträgen beigetreten. Damit ist ein geordneter Übergang zum neuen Betreiber nach verlorenen Verkehrsleistun-gen gewährleistet und die Angst um den Arbeitsplatz gehört der Vergangenheit an. Ebenso gelten in vielen Unternehmen die Regelungen zum Schutz bei gesundheitsbedingter Fahrdienstuntauglichkeit. Wir haben in diesem Jahr mit folgenden Eisen-bahnverkehrsunternehmen Tarifverträge abgeschlossen.

  • Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser
  • Abellio Rail
  • Abellio Rail Mitteldeutschland
  • Abellio Nordrhein-Westfalen
  • Abellio Rail Baden-Württemberg
  • NBE nordbahn
  • Niederbarnimer Eisenbahn
  • Albtal Verkehrsgesellschaft
  • agilis Verkehrsgesellschaft
  • agilis Eisenbahngesellschaft
  • National Rail Express
  • cantus Verkehrsgesellschaft
  • Keolis Deutschland
  • Rheinische Bahnpersonal- und Verkehrsgesellschaft
  • Rostocker Straßenbahn
  • RegioTram Gesellschaft
  • Transdev
  • Ostdeutsche Eisenbahn
  • Die Länderbahn
  • erixx
  • metronom Eisenbahnver-kehrsgesellschaft
  • vlexx

In allen Unternehmen außer den Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser haben wir die Tarifverträge ohne Arbeitskämpfe abgeschlossen. Das ist uns nur gelungen, weil die Unternehmen wissen, dass wir stark sind. Wir sind stark, weil wir gut organisiert sind, weil unser Zugpersonal solidarisch ist und auch genug Courage hat, für seine Ziele zu kämpfen.

Tarifeinheit nicht verfassungskonform

Am erfolgreichen Abschließen von Tarifverträgen wird uns das Tarifeinheitsgesetz auch künftig nicht hindern. Wir können somit auch in Zukunft unseren Flächentarifvertrag BuRa-ZugTV in allen Eisenbahnverkehrsunternehmen durchsetzen und weiter für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen für das Zugpersonal sorgen.

Das Bundesverfassungsgericht hat das Tarifeinheitsgesetz zwar nicht in Bausch und Bogen abgelehnt. Es hat jedoch klargestellt, dass Zwangstarifeinheit nicht mit der Verfassung vereinbar ist. Die Koalitionsfreiheit und das Arbeitskampfrecht von Berufsgewerkschaften werden nicht eingeschränkt. Die Arbeitgeber haben sich zu früh gefreut, dass sie nur noch mit schwach organisierten Großgewerkschaften Tarifverträge verhandeln können. Der Organisationsgrad entscheidet über die Stärke von Gewerkschaften, nicht ob man ein Mitglied mehr im Betrieb hat oder nicht.

Generalversammlung: 150 Jahre GDL

Und damit sind wir dank unserer solidarischen Mitglieder gut gerüstet - und das seit 150 Jahren. Dieses Jubiläum haben wir in unserer Generalversammlung im Mai in Ludwigshafen gebührend gefeiert. Und dazu hatten wir auch allen Grund. Obwohl die Eisenbahnverkehrsunternehmen in den vergangenen Jahren viel Energie darauf verwendet haben, uns als eigenständigen Tarifpartner in ihrem Hause zu verhindern, stehen wir als starke, unabhängige und erfolgreiche Gewerkschaft für die Interessen des Zugpersonals. Teils waren harte Arbeitskämpfe notwendig, um die Arbeits- und Entgeltbedingungen zu verbessern. Mit unserem Flächentarifvertrag haben wir jedoch ein Markenzeichen für einen fairen Wert der Arbeit etabliert. Von der Gründung der Hilfskasse zur Verbesserung der mangelhaften Altersversorgung der Lokomotivführer im Jahr 1867 bis dahin es ein weiter, teils steiniger Weg.

Und er ist auch noch nicht zu Ende, denn für uns als älteste Berufsgewerkschaft in Deutschland gibt es immer noch viel zu tun. Dazu steht das erfolgreiche Dreigestirn Claus Weselsky, Norbert Quitter und Lutz Schreiber auch die kommenden fünf Jahre an der Spitze der GDL. Alle drei sind in der Generalversammlung mit weit über 90 Prozent in ihrem Amt bestätigt worden.

Kursbestätigung bei betrieblichen Wahlen

Bestätigt worden sind wir auch bei den betrieblichen Wahlen. So sind wir im Februar gleich richtig durchgestartet und haben bei Regio Tram alle sieben Betriebsratsmandate gezogen. Bei der S-Bahn Hamburg konnten wir im März ein Aufsichtsratsmandat zur Vertretung der Arbeitnehmer erzielen, bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft im April sogar zwei von fünf. Mit fünf von neun Betriebsratsmandaten gingen wir bei Transdev Mitteldeutschland und mit sieben von neun bei Abellio Rail NRW als Sieger aus dem Rennen. Im September 2017 haben wir im Aufsichtsrat von Netinera erneut zwei Sitze erkämpft - einen für das Gewerkschafts- und einen für das Arbeitnehmermandat.

Nicht zuletzt konnten wir bei der DB die Halbierung der Betriebsratsmandate bei den betriebsverfassungsrechtlichen Tarifverträgen verhindern. Hier wird es so gut wie keine Reduzierungen geben. Das Vertrauen unserer Wähler macht uns stark. Und so können wir uns für unsere Kollegen einsetzen: unbestechlich und erfolgreich.

Gelungene Betriebsrätefachkonferenzen
Damit da auch so bleibt, sind eine kontinuierliche Weiterbildung und der fruchtbarer Austausch mit Kollegen unabdingbar. Dazu hatten hunderte Betriebsratsmitglieder in unseren beiden Betriebsrätefachkonferenzen zusammen mit dem Bildungsträger BBuK ein hervorragendes Forum - sei es beispielsweise im Workshop „Gefährdungsbeurteilung“ im Februar in Hamburg oder „Suchtprävention“, im September in Nürnberg, seien es spannende Podiumsdiskussionen wie die „Zukunft der Mitbestimmung“ oder seien es fundierte Vorträge. Besonders zu erwähnen ist auch das Netzwerken in den Pausen. Es hat schon oft dazu geführt, dass „das Rad nicht noch einmal erfunden werden musste“.

Bundesweiter Tag des Zugpersonals

Netzwerken ist auch ein gutes Stichwort für den „bundesweiten Tag des Zugpersonals“ im September. In rund 20 Bahnhöfen der Republik informierten Bezirks-und Ortsgruppenvorsitzende, Betriebsräte und Arbeitskreissprecher gemeinsam mit der GDL-Jugend und dem FairnessPlan an grün gestalteten Infoständen über ihre Berufe und gaben Auskunft zu allen Fragen rund um die GDL. Vielerorts sorgten Kaffee, Kuchen und kleine Snacks für das leibliche Wohl - und so mancher Lokomotivführer freute sich über einen Imbiss, den die Standbesatzung ihm zur Stärkung an den Zug brachte.

Wir haben 2017 vieles erreicht, auf das wir stolz sein können. Das zeigt der Rückblick sehr deutlich. Dennoch werden die Aufgaben nicht weniger. Ganz oben auf der Agenda stehen immer noch verbesserte Arbeitszeitbedingungen. Das Zugpersonal in ganz Deutschland muss weiter entlastet werden. Zunächst wünschen wir aber allen Mitgliedern und ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.
G. S.

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