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Informationen zur Gesundheitsuntersuchung

Tauglich, nichttauglich, untauglich?

GDL Aktuell - Voraus Artikel - 04.11.2015

Die Einladung zur Gesundheitsuntersuchung löst bei einigen Beschäftigten existentielle Ängste aus. Doch wer gut informiert ist und seine Rechte kennt, dem fällt der Gang zum Bahn- oder Betriebsarzt gleich leichter. Foto: Monkey Business@fotolia.com
Die Einladung zur Gesundheitsuntersuchung löst bei einigen Beschäftigten existentielle Ängste aus. Doch wer gut informiert ist und seine Rechte kennt, dem fällt der Gang zum Bahn- oder Betriebsarzt gleich leichter. Foto: Monkey Business@fotolia.com

Wer im Bahnbetrieb arbeitet, kennt das nicht anders: Alle Jahre wieder erinnert eine Einladung an die regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchung. Doch auch zwischen den regelmäßigen Terminen kommt es vor, dass man aus gesundheitlichen Gründen oder auf Betreiben des Vorgesetzten beim Bahn- beziehungsweise Betriebsarzt vorstellig werden muss.

Die Einladung zur Gesundheitsuntersuchung löst bei einigen Beschäftigten mitunter existenzielle Ängste aus. Bei der Feststellung einer Untauglichkeit, egal ob zunächst befristet oder unbefristet, drohen vorübergehende Verluste beim Einkommen bis hin zu einer dauerhaften Berufsunfähigkeit. Dazu kommt, dass für die betroffenen Mitarbeiter meist nicht vorherzusehen ist, ob sie noch alle Anforderungen an die Tauglichkeitsvorgaben erfüllen. Falls dann doch einmal eine Tauglichkeitseinschränkung festgestellt werden sollte, sind es die Untersuchungen selbst, die vielleicht als nicht nachvollziehbar wahrgenommen werden: Warum hat mich der Arzt überhaupt erst dieser oder jener Prozedur unterzogen? Warum soll ich jetzt auch noch zum Psychologen? Macht der Arzt mit dem Arbeitgeber gemeinsame Sache und will mich eventuell loswerden?

Nachfrage bei ias

Solche Fragen sind nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern sie bewegen die Beschäftigten, gelangen mitunter auch als Beschwerden zur GDL und lösen Aktivitäten etwa bei den Betriebs- und Personalräten, den Schwerbehindertenvertretern, den GDL-Bezirksgeschäftsstellen und manchmal sogar in der Rechtabteilung der GDL aus. Aufgrund mehrerer solcher Beschwerden war die GDL im Oktober 2015 zu Besuch beim Institut für Arbeits- und Sozialhygiene „ias“ in Berlin, dem betriebsärztlichen Dienst verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen wie zum Beispiel der DB und der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH und hat nachgefragt. Die Ergebnisse möchten wir hier einmal kurz zusammenfassen und einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zur Gesundheitsüber-prüfung durch das ias geben.

Verunsicherung durch Arztwechsel

Manche Beschäftigte haben ein besonderes Vertrauensverhältnis zu einem bestimmten Arzt aufgebaut und sind verunsichert, wenn bei der Beurteilung der Tauglichkeit, zum Beispiel im Zuge einer befristeten Untauglichkeit, unterschiedliche Ärzte mitwirken. Ganz vermeiden lässt sich das aber nie, denn auch Ärzte können einmal den Arbeitgeber wechseln, haben Urlaub, bekommen Nachwuchs oder gehen in den Ruhestand. Sollte jedoch keiner der vorgenannten Gründe vorliegen, kann es nur an der Kurzfristigkeit der Terminvereinbarung liegen, wenn ein bestimmter Arzt nicht verfügbar ist. Deshalb sollten die Arbeitgeber schon aus eigenem (auch wirtschaftlichem) Interesse an der schnellen Wiederherstellung der Tauglichkeit des Beschäftigten unbedingt so früh wie möglich Terminanfragen stellen und dabei die Wünsche der Betroffenen berücksichtigen.

Umgang mit externen Gutachten

Des Öfteren treten auch Irritationen auf, wenn der Betriebsarzt für die Beurteilung der Tauglichkeit das Gutachten eines externen, ambulanten Facharztes benötigt. Beispielsweise sind bei Diabetikern bestimmte Befunde vonnöten, ohne deren Ergebnis ein Gutachten nicht beendet werden kann, was wiederum die befristete Untauglichkeit zum Teil erheblich in die Länge ziehen kann. Der Betriebsarzt wird den Betroffenen in einem solchen Fall immer schriftlich mitteilen, welche Untersuchungen, Gutachten oder Befunde benötigt werden. Dabei darf er jedoch selber keine Überweisungen ausstellen, sondern er verweist zur Abklärung auf den jeweiligen Hausarzt und gibt höchstens noch namentliche Empfehlungen für bestimmte Fachärzte ab. Wenn der Hausarzt da nicht mitwirkt und – eventuell aus Budgetüberlegungen heraus – nicht die erforderliche Überweisung ausstellt, hängen die betroffenen Mitarbeiter oft in der Luft und wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Wichtig ist zu wissen, dass in einem solchen Fall, wenn spezielle Gutachten gebraucht werden, noch weitere Möglichkeiten existieren. Vielleicht hilft schon einmal eine simple Kontaktaufnahme zwischen Betriebsarzt und Hausarzt oder zwischen Betriebsarzt und Arbeitgeber. Auch die Anfrage des Betriebsarztes nach einer Kostenzusage des Arbeitgebers kann ein derartiges Problem lösen.

Mitwirkung aller Seiten erforderlich

Diabetiker, um bei dem bereits genannten Beispiel zu bleiben, haben schon aus dem persönlichen Ge-sundheitsgeschehen heraus etliche Untersuchungen hinter sich zu bringen, so etwa die jährliche augenärztliche Untersuchung. Diese Werte werden vom Betriebsarzt erbeten, was den Ablauf naturgemäß verlängert. Es bedarf also des Mitwirkens aller Seiten, damit sich eine befristete Untauglichkeit nicht allein zu Lasten der Mitarbeiter in die Länge zieht. Betriebsärzte sind allerdings auch darauf angewiesen, dass die Tauglichkeitsuntersuchung mit Zustimmung des Betroffenen erfolgt. Kein Arzt würde eine Blutabnahme gegen seinen Willen vornehmen.

Unterlagen immer schriftlich verfügbar

Auch wenn schon allein der Gang zum Betriebsarzt oder erst recht der zum psychologischen Dienst für erhöhten Blutdruck sorgen kann, gilt es trotzdem, einen kühlen Kopf zu bewahren. Stets empfiehlt es sich, anschließend zu Hause immer noch einmal in Ruhe die Unterlagen durchzulesen, die nach der mündlichen Aufklärung durch den ias-Arzt immer auch in Schriftform mitgegeben werden. Sollten Zweifel an den Inhalten des Tauglichkeitsgutachtens bestehen, so kann der Beschäftigte zumindest bei der DB von seinem Arbeitgeber eine Kopie des Tauglichkeitsgutachtens erhalten. Das einschlägige Handbuch 10700 der DB enthält hier einen entsprechenden Hinweis. Die Beauftragung des Arbeitgebers an den Betriebsarzt ist ebenfalls jederzeit einsehbar. Die gesamten persönlichen Akten gehören auch nach Aussagen des ias dem zu untersuchenden Menschen. Alle Seiten sind hier fortlaufend nummeriert und es gibt keine Nebenakten. Lediglich Kopien erfolgen gegen Gebühr. Wer diese Einsichtnahme in Anspruch nehmen möchte, kann mit vorheriger Terminvereinbarung beim jeweiligen Zentrumsleiter des ias eine Einsichtnahme in die Akten erhalten. Jeder sollte allerdings darauf gefasst sein, dass auch subjektive Wahrnehmungen des Arztes Bestandteil der Akten sein können.

Rasche Übermittlung des Gutachtens

Das Tauglichkeitsgutachten nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) wird direkt an den Arbeitgeber zugestellt. Es enthält lediglich die Aussage über den Stand der Tauglichkeit sowie eventuelle Empfehlungen für den Arbeitsplatz. Alle andere Korrespondenz erfolgt direkt zwischen Beschäftigtem und Betriebsarzt. Das Gutachten für Lokomotivführer entsprechend der Triebfahrzeugführerschein-Verordnung (TfV) geht direkt an das Eisenbahn-Bundesamt. Der betriebsärztliche Dienst ias gibt als Frist für die Übermittlung des Tauglichkeitsgutachtens an den Arbeitgeber maximal zwei Wochen nach der Untersuchung an. In den meisten Fällen erfolgt sie innerhalb von fünf bis sechs Tagen. Von Laborwerten abgesehen werden festgestellte Einschränkungen allerdings immer sofort mitgeteilt. Sofern die Arbeitgeber also eine vierzehntägige Frist vor Ablauf der Tauglichkeit einhalten, sollten keine Fälle eintreten, in denen die Tauglichkeitsfristen abgelaufen sind und der Mitarbeiter nicht mehr eingesetzt wer-den kann.

Möglichst minimale Stressfaktoren

Da es bei den Untersuchungen um existenzielle Fragen geht ist es wichtig, dass auch seitens der Ärzte ein gewisses Verständnis für die Situation der Mitarbeiter vorhanden ist. Das ias wird regelmäßig in diese Richtung auf seine Ärzte und Psychologen einwirken, um die bei bestimmten Ergebnissen auftretenden Stress- und Angstfaktoren so weit wie möglich zu minimieren. Gleichwohl sollen die Mitar-beiter für die Beantwortung etwaiger Fragebögen ausreichend Ruhe haben, sich konzentrieren und zurückziehen können. Zumindest bei dem ias-Zentrum in Berlin steht dafür ein separater Raum zur Verfügung, der auf entsprechende Nachfrage gern zugewiesen wird. Wenn es gerade bei psychologischen Untersuchungen länger dauert, so sind je nach vorgesehenen Modulen nach spätestens vier Stunden vor Ort Pausen von einer bis zu eineinhalb Stunden vorgesehen. Betroffene sollen demnach auf keinen Fall im Unklaren gelassen ihre Zeit auf dem Flur wartend verbringen, bis am Ende das Gespräch mit dem Psychologen stattfindet.

Sicherheitsbewusstsein und Belastbarkeit

Wichtig für die Durchführung der psychologischen Eignungstests ist, dass man wegen eines einzelnen nicht bestandenen Moduls nicht durchfallen kann. Diese Tests erfolgen immer auf zwei Ebenen, sie zielen auf das Sicherheitsbewusstsein des Probanden und auf seine Belastbarkeit. Demzufolge sind sie so skaliert, dass die zu Untersuchenden stets an ihre Leistungsgrenzen geführt werden, der jeweilige Test also immer schwieriger wird. Dabei zählt allein das Verhältnis zwischen der aufgewandten Zeit und der Fehlerrate. Das Ziel sollte sein, ein gutes Verhältnis zwischen diesen beiden Werten zu erreichen, wobei es keinesfalls um Rekorde oder gar eine Bestenauswahl der Probanden geht. Wenn man in einem einzelnen Testmodul nicht die Mindestwerte erreicht, kann man dies meistens im Interview oder einem Nachtest am gleichen Tag ausgleichen.

Wiederholung nach drei Monaten möglich

Falls es doch einmal nicht gereicht hat, wird nach drei Monaten die Wiederholung angeboten, gegebenenfalls auch bei einem anderen Psychologen. Sollte durch besondere Umstände die Einholung eines Zweitgutachtens notwendig werden, so kann auch die Überweisung an einen nach TfV vom Eisenbahnbundesamt zertifizierten Gutachter beziehungsweise Psychologen erfolgen. Damit wäre es jetzt sogar möglich, das Gutachten eines zertifizierten Arztes statt dem eines ias-Arztes vorzulegen. Selbst bei einem zwischenzeitlich beendeten Arbeitsverhältnis besteht noch die Möglichkeit, die Tauglichkeitsuntersuchung beim ias auf eigene Kosten zu Ende zu führen und damit eventuelle Hemmnisse vor der Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeber auszuräumen. Dabei betragen die Kosten beispielsweise für einen Lokführer etwa 125 Euro für eine normale Tauglichkeitsuntersuchung und rund 250 Euro für die psychologische Eignungsuntersuchung.

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