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„Gehören Schwarzfahrer ins Gefängnis?“ titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 29. November 2017 zur Diskussion, ob Beförderungserschleichung strafbar sein soll. Aufgrund der hohen Kosten für die Verfahren einer ohnehin überlasteten Justiz und zur Vollstreckung könnte Schwarzfahren zum Bagatelldelikt degradiert werden. ... mehr

Schwarzfahren ist kein Bagatelldelikt

GDL Aktuell - Pressemitteilung - 01.12.2017

„Gehören Schwarzfahrer ins Gefängnis?“ titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 29. November 2017 zur Diskussion, ob Beförderungserschleichung strafbar sein soll. Aufgrund der hohen Kosten für die Verfahren einer ohnehin überlasteten Justiz und zur Vollstreckung könnte Schwarzfahren zum Bagatelldelikt degradiert werden.

„Schwarzfahren ist aber kein Bagatelldelikt“, so der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, zum Vorstoß des nordrhein-westfälischen Justizministers Peter Biesenbach, Schwarzfahren nicht mehr strafrechtlich zu verfolgen.

Sechs auf einen Streich

Man muss viel früher ansetzen. Viele Verkehrsverbünde fordern in den Ausschreibungen keine 100prozentige Besetzung mit Zugbegleitern. Ergo findet in vielen Zügen auch keine Kontrolle der Fahrkarten statt. Weselsky: „Das bestärkt Schwarzfahrer geradezu, auf den Kauf des Tickets zu verzichten. Wenn dann kontrolliert wird, ist der Ärger vorprogrammiert.“ Die GDL fordert schon lange, dass in jedem Personenzug ein Zugbegleiter mitfährt. In Problemzügen müssen zusätzliche Zugbegleiter oder Sicherheitskräfte mitfahren. Weselsky: „Damit schlägt man gleich sechs Fliegen auf einen Streich.“ Erstens steigen die Einnahmen aus den Ticketverkäufen. Das Schwarzfahren kostet die Unternehmen nämlich Millionen, für die dann die Fahrgäste zur Kasse gebeten werden. Zweitens könnten so die Fahrkarten günstiger werden. Drittens sinken die Folgekosten für die Schwarzfahrer. Es gibt weniger Anzeigen, weniger Verfahren, weniger Gefängnis. Viertens werden die Züge sicherer. Fünftens könnten so auch mehr Fahrgäste auf die Idee kommen, mit dem Zug zu fahren. Last, but not least profitiert das Zugpersonal von einem sicheren Arbeitsplatz.

Zugbegleiter stehen an vorderster Front

Auch mit einer 100-Prozent-Besetzung der Züge lassen sich jedoch nicht alle Probleme beseitigen. „Zu viele Fahrgäste denken, dass sie in Zügen tun und lassen können, was sie wollen: sei es, weil sie betrunken sind oder unter anderen Drogen stehen, weil ihnen eine Laus über die Leber gelaufen ist oder weil sie ganz einfach falsch sozialisiert sind“, so Weselsky. Die GDL hat in ihrer Umfrage „Mit Sicherheit“ nachgewiesen, dass fast jeder Zugbegleiter schon einmal beleidigt wurde, ein Viertel der Befragten berichtete von körperlichen Angriffen, selbst Lokomotivführer sind betroffen. Acht von zehn Beschäftigten des Zugpersonals haben schon mindestens einmal Angst am Arbeitsplatz empfunden. Der Auslöser ist oftmals die Fahrkartenkontrolle. Hier stehen die Zugbegleiter an vorderster Front.

Zugbegleitern den Rücken stärken

Die Zugbegleiter benötigen dringend Unterstützung bei der Durchsetzung des Hausrechts in den Zügen. Weselsky: „Diese Herkulesaufgabe können wir nur gemeinsam bewältigen.“ Die GDL fordert, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen, die Verkehrsverbünde und die Judikative dem Zugpersonal den Rücken stärken. Neben mehr Zugbegleitern gehört dazu ein deutliches Bekenntnis zu den Zugbegleitern. Wenn das Zugpersonal einen Vorfall anzeigt, dann muss dem auch nachgegangen werden mit deutlichen Konsequenzen insbesondere für Wiederholungstäter“, so der GDL-Bundesvorsitzende.

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