» Weselsky mit 95 Prozent wiedergewählt

Claus Weselsky heißt der alte und neue Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Er wurde am 9. Mai 2017 in Ludwigshafen von 95 Prozent der rund 200 Delegierten in der Generalversammlung unter dem Motto „Mit Tradition in die Zukunft – 150 Jahre GDL“ wiedergewählt. ... mehr

ALE-Vorstandssitzung in Salerno

Unabhängige Behörden müssen Eisenbahnunfälle untersuchen

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 04.11.2016

Der ALE-Vorstand in Salerno (v. l.): Claus Weselsky, Deutschland; Jindrich Hlas, Tschechische Republik; Dušan Kaša, Slowakische Republik; Georgi Vasilev, Bulgarien; Rob de Groot, Niederlande; Pietro Serbassi, Italien; Leszek Mietek, Polen; László Kiss, Ungarn; Juan Jesús García Fraile, Spanien; Iulica Mantescu, Rumänien; Antonio Medeiros, Portugal; Karl Liechti, ALE-Schatzmeister, Schweiz; Nenad Mrgan, Kroatien Foto: GDL
Der ALE-Vorstand in Salerno (v. l.): Claus Weselsky, Deutschland; Jindrich Hlas, Tschechische Republik; Dušan Kaša, Slowakische Republik; Georgi Vasilev, Bulgarien; Rob de Groot, Niederlande; Pietro Serbassi, Italien; Leszek Mietek, Polen; László Kiss, Ungarn; Juan Jesús García Fraile, Spanien; Iulica Mantescu, Rumänien; Antonio Medeiros, Portugal; Karl Liechti, ALE-Schatzmeister, Schweiz; Nenad Mrgan, Kroatien Foto: GDL

Untersuchungen nach Eisenbahnunfällen dürfen sich nicht mehr vornehmlich darauf konzentrieren, der Öffentlichkeit zügig Schuldige oder Verantwortliche zu präsentieren. Dies ist einer der Schlüsse, die der Vorstand der Autonomen Lokomotivführer-Gewerkschaften Europa (ALE) in seiner Herbstsitzung in Salerno, Italien, zog.

Zumal die „Schuldigen“ meist schnell ausgemacht sind: Lokomotivführer oder Fahrdienstleiter, die am Ende der Handlungskette stehen und gut sichtbar sind. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Unfall mit seinen Personen- und Sachschäden muss abgewickelt und beglichen werden. Danach ist festzustellen, dass das Interesse der Beteiligten an weiterer Aufklärung meist schnell versiegt.

Gewaltenteilung zwischen den Behörden

Doch damit kann und will sich die ALE nicht zufrieden geben. Vor allem, nachdem sich bereits in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 einige Eisenbahnunfälle in Europa mit tödlichem Ausgang ereignet haben: in Deutschland, Belgien, Italien, Spanien und den Niederlanden. Dabei gab es zahlreiche Todesopfer unter den Reisenden. Und bei jedem Unfall verloren auch etliche Lokomotivführer und Zugbegleiter ihr Leben. Die ALE hat daher die Europäische Kommission und die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) angeschrieben. Sie fordert, dass die Untersuchungen von Eisenbahnunfällen generell von unabhängigen Behörden zu erfolgen haben. Hier ist auch eine strikte Gewaltenteilung zwischen Behörden, die Vorschriften für den Eisenbahnverkehr erlassen, und den unfalluntersuchenden Behörden vorzunehmen. Dies ist insofern sinnvoll, als Erstere durch Erlass oder Unterlassen zweckmäßiger Vorschriften an der Entstehung eines Eisenbahnunfalls mitbeteiligt sein könnten.

Auswertung wie im Flugverkehr

Die Untersuchungen sollten sich auf ein normiertes breites Spektrum erstrecken: Im Eisenbahnsystem greifen viele sicherheitsrelevante Faktoren ineinander. Es geht darum, alle Faktoren, ihre Funktionalität und ihre Wechselwirkungen im Einzelfall gründlich in Augenschein zu nehmen. Zum einen, um vergleichbare Unfälle für die Zukunft zu vermeiden; zum anderen aber auch, um die Schwere der Unfälle zu mindern. Jedes Menschenleben, das dadurch gerettet werden kann, ist jeden Aufwand wert. Meist sind mehrere Ursachen für die konkreten Folgen und die Schwere des Unfalls mitverantwortlich. „Bei der Auswertung der Eisenbahnunfälle sollten wir eine vergleichbare Qualität anstreben, wie im Flugverkehr“, so der Bundesvorsitzende der GDL, Claus Weselsky in der Sitzung. Auch eine Beteiligung der ALE an den unabhängigen Ausschüssen zur Untersuchung von Eisenbahnunfällen sei unabdingbar.

Neue Verhandlungen mit ETF

Die Europäische Dachorganisation der Beschäftigten im Verkehrssektor, ETF (Europäische Transportarbeiter-Föderation), hat jüngst wieder Kontakt zur ALE aufgenommen. Sie möchte offensichtlich in neue Verhandlungen eintreten, um die ALE am Europäischen Sozialdialog Eisenbahn zu beteiligen. Bisher arbeitet darin die EU-Kommission mit den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Für die Arbeitgeberseite sind die CER (Gemeinschaft Europäischer Bahnen) und die EIM (Europäische Eisenbahninfrastruktur Manager) beteiligt; auf der Arbeitnehmerseite lediglich die ETF. Trotz zahlreicher inhaltlicher Schnittmengen mit der ETF existieren unterschiedliche Auffassungen, wie die ALE an der Forderungserhebung und an den Entscheidungsfindungsprozessen mit der Kommission und den Arbeitgebern zu beteiligen ist. Klar ist, dass die ALE ihre Autonomie und Unabhängigkeit in allen Prozessen und Themen, die Lokomotivführer betreffen, behalten muss.

Schweigeminute für Yordan Manov

Zum Thema Kündigung des kroatischen Gewerkschafters Dalibor Petrovic wegen angeblichen Vertrauensverlustes gibt es bis heute leider keine Lösung (die ALE hat darüber im GDL Magazin VORAUS 6/2016 berichtet). Bis heute laufen die Gerichtsverfahren; die Bezüge des Kollegen Petrovic werden von seiner Gewerkschaft SSH getragen.

Der Aufnahmeantrag der dänischen Eisenbahnergewerkschaft DJF, die auch Mitglied der ETF ist, wurde im ALE-Vorstand einstimmig positiv beschieden. Sie wird zum 1. Januar 2017 in die ALE aufgenommen.
Zu einer Schweigeminute erhob sich der ALE-Vorstand zu Ehren eines ehemaligen ALE-Vorstandsmitglieds. Yordan Manov, der lange Jahre Präsident der bulgarischen Lokomotivführergewerkschaft ULDB war, ist im Juni 2016 verstorben. Die ALE wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

An der ALE-Sitzung nahmen die belgischen und die serbischen Kollegen nicht teil. Die Frühjahrssitzung der ALE wird im Mai 2017 in Warschau/Polen stattfinden. V. M.

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