» Belastungsstudie DB Cargo: Offenbarungseid der EVG

Mit der gemeinsam aufgelegten „Belastungsstudie 2017 Triebfahrzeugführer“ geben die Geschäftsführung und der EVG-geführte Gesamtbetriebsrat bei DB Cargo vor, sich ein Bild über die Arbeitsbelastung der Güterverkehrslokomotivführer machen zu wollen. Gleichzeitig versuchen sie, entgegen der abgeschlossenen GDL-Tarifverträge, die seit Jahren von ihnen betriebene Hyperflexibilisierung zu zementieren! Die EVG zeigt sich von dem Projekt begeistert und ruft in einem Aushang zur Beteiligung an der wissenschaftlich begleiteten Mogelpackung auf. ... mehr

GDL-Umfrage „Mit Sicherheit“

Erschreckende Ergebnisse

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 02.08.2016

Fast jeder Zugbegleiter wurde in seinem Berufsleben schon einmal beleidigt. Grafik: GDL
Fast jeder Zugbegleiter wurde in seinem Berufsleben schon einmal beleidigt. Grafik: GDL

Es gibt viel mehr Übergriffe als die offiziellen Statistiken besagen, beispielsweise die der DB. Dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, war der GDL zwar klar, aber dass sie etwa viermal so hoch ist, das macht schon sehr betroffen. Festgestellt hat das die GDL in einer ersten Auswertung ihrer Umfrage „Mit Sicherheit“ unter allen GDL-Mitgliedern in Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) der gesamten Bundesrepublik - eine bisher einzigartige Befragung.

Obwohl die Mitglieder rund 30 Minuten für die Beantwortung einkalkulieren mussten, lag die Beteiligung bei sehr guten 15 Prozent und lässt somit fundierte Aussagen zu:

  • Mehr als 82 Prozent der befragten Mitglieder gaben an, im Dienst schon einmal verbal beleidigt worden zu sein. Über die Hälfte wurde verbal bedroht und jeweils ein Viertel berichtete von körperlichen Angriffen. 22 Prozent der befragten Frauen wurden in ihrem Berufsleben schon mindestens einmal sexuell belästigt, aber auch Männer sind betroffen. Rund 50 Prozent der Mitglieder erlebten darüber hinaus Personenunfälle.
  • Die Betreuung durch den Arbeitgeber nach Übergriffen bewerteten 72 Prozent der befragten Kollegen als ungenügend oder mangelhaft und nur sechs Prozent als gut oder sehr gut. Die Betreuung nach Beleidigungen, Bedrohungen oder Anspucken bewerteten sogar nur drei Prozent als gut oder sehr gut. Dabei wird von über drei Viertel der Zugbegleiter und Bordgastronomen die Betreuung nach körperlichen Übergriffen als sehr wichtig eingeschätzt. Bei Personenunfällen sogar von 95 Prozent.
  • Acht von zehn Beschäftigten haben schon mindestens einmal Angst am Arbeitsplatz empfunden, neun von zehn haben schon mindestens einmal ein ungutes Gefühl gehabt.
  • Nur einer von zehn Kollegen im Zugbegleitdienst hat keine Bedenken, seinen Dienst alleine auszuüben. Fragt man nach der Besetzung im Team haben dagegen fast zwei Drittel keine Bedenken. Auch in der Nacht ist lediglich einer von zehn Kollegen dieser Berufsgruppe ohne irgendwelche Bedenken unterwegs, während am Tag etwa knapp die Hälfte ohne Bedenken arbeiten kann.

„Mutproben“ nehmen zu

Die Mitarbeiter gaben neben den direkt gefragten Sachverhalten wie Beleidigungen, Bespucken und Schlagen außerdem an, dass sie mit Steinen beworfen, mit heißem Kaffee übergossen, begrabscht, mit Schusswaffen oder Messern bedroht, im Führerstand vorsätzlich mit Laserpointern geblendet und mit Suizid bedroht wurden. Außerdem nehmen „Mutproben“ zu. So legen sich Jugendliche immer öfter auf die Gleise und lassen sich von Zügen „überrollen“.

Die GDL fordert Arbeitgeber, Politik und Öffentlichkeit auf, mehr Problembewusstsein bei Übergriffen zu entwickeln. In einem ersten Schritt muss das Personal endlich ernst genommen werden, anstatt Vorfälle zu bagatellisieren. Bessere Schulung, bessere Betreuung und eine bessere Besetzung der Züge – mehr Mitarbeiter im Team – sind aus Sicht der GDL als Maßnahmen geeignet, zur Verbesserung der massiven Missstände beizutragen. Die GDL wird dazu entsprechende Kernforderungen erstellen sowie weitere Details und Schlussfolgerungen aus der Umfrage veröffentlichen. Es bleibt somit noch viel zu tun.
M. B.

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