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Mit der gemeinsam aufgelegten „Belastungsstudie 2017 Triebfahrzeugführer“ geben die Geschäftsführung und der EVG-geführte Gesamtbetriebsrat bei DB Cargo vor, sich ein Bild über die Arbeitsbelastung der Güterverkehrslokomotivführer machen zu wollen. Gleichzeitig versuchen sie, entgegen der abgeschlossenen GDL-Tarifverträge, die seit Jahren von ihnen betriebene Hyperflexibilisierung zu zementieren! Die EVG zeigt sich von dem Projekt begeistert und ruft in einem Aushang zur Beteiligung an der wissenschaftlich begleiteten Mogelpackung auf. ... mehr

Bundesweite Online-Umfrage

Mehr Sicherheit für das Zugpersonal

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 13.05.2016

Sicherheit sollte im Eisenbahnbetrieb eigentlich an erster Stelle stehen. Doch vor allem in Bezug auf das Zugpersonal scheint dieses Thema für viele Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht mehr den erforderlichen Stellenwert einzunehmen. Gerade in jüngster Zeit berichten Zugbegleiter, Bordgastronomen und Lokomotivführer vermehrt von Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffen, wobei nicht nur die Anzahl, sondern auch die Intensität der Vorfälle zunimmt. Viele Beschäftigte fühlen sich hier von ihrem Arbeitgeber nicht genügend unterstützt.

Die GDL hat sich der Problematik frühzeitig angenommen und bereits im Juni 2013 den Arbeitskreis „Belastende Ereignisse Bewältigen“(AK BEB) gegründet. Der AK BEB unterstützt betroffene Kollegen bei der Verarbeitung traumatischer Ereignisse, etwa nach Suiziden auf der Schiene und Angriffen auf Zugbegleiter. Aufgrund der steigenden Gewalt gegen das Zugpersonal rief der GDL-Hauptvorstand darüber hinaus im Juni 2015 den Arbeitskreis „Sicherheit im und am Zug“ (AK Sicherheit) ins Leben. Ziel des Arbeitskreises ist die Erfassung der tatsächlichen Situation für unsere Mitglieder vor Ort und ein Abgleich mit der von den Arbeitgebern behaupteten Realität. Durch eine objektive Einschätzung und Analyse können gezielte Schutzmaßnahmen für das Zugpersonal abgeleitet und bei Arbeitgebern und den zuständigen Behörden eingefordert werden.

Zahlreiche unwirksame Maßnahmen

Hierzu hat der Arbeitskreis, dem Kollegen aller GDL-Bezirke und Tätigkeitsbereiche angehören, in den vergangenen Monaten die verschiedenen Sicherheitskonzepte- und Richtlinien der DB und der NE-Bahnen einer gründlichen Prüfung unterzogen. Dabei ergab sich bei den einzelnen Eisenbahnverkehrsunternehmen eine große Anzahl unterschiedlicher Vorschriften und Anweisungen, die in ihrem vollen Umfang gar nicht genutzt werden oder genutzt werden können. So werden viele Maßnahmen angeboten, die lediglich den Anschein von Sicherheit vermitteln, de facto aber unwirksam sind.

Die GDL bemängelt zum Beispiel, dass in den Unternehmensunterlagen immer wieder wesentliche Sicherheitsaspekte nicht berücksichtigt werden. In welcher von den Arbeitgebern geführten Statistik taucht etwa das Anspucken, die verbale Beleidigung oder Bedrohung auf? Führen auch solche Ereignisse schon zur Arbeits- oder gar Berufsunfähigkeit? Ergeben sich daraus psychische Belastungen? Entstehen hieraus Krankheitstage? Wird genug für die Ausbildung, Information und Vorsorge getan? Viele Fragen, die sich unsere Gewerkschaft stellt und die auch für die Arbeitgeber wichtig sein sollten.

Umfrage soll fundierte Basis schaffen

Das Fazit der Sichtung – es gibt eine Fülle unterschiedlicher, aber meist wirkungsloser Vorschriften – dürfte von der Mehrzahl der Beschäftigten geteilt werden. Doch damit solche Wahrnehmungen endlich eine fundierte Basis erhalten und nicht immer nur von den persönlich Betroffenen und ihrer Interessenvertretung behauptet werden, soll nun eine bundesweite Umfrage unter den GDL-Mitgliedern Klarheit schaffen.

Den Anstoß zu dieser Erhebung gab eine in den Jahren 2014 und 2015 durchgeführte Umfrage des bezirklichen GDL-Arbeitskreises Zub-Gastro in Nordrhein-Westfalen. Hier konnte die Situation des Zugbegleitpersonals bei allen Eisenbahnunternehmen in NRW über einen längeren Zeitraum hinweg ermittelt und als handfestes Argumentationsmittel auf verschiedenen Ebenen verwandt werden. Fakt ist, dass Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger erst mit belastbaren Zahlen zu Reaktionen oder gar einem Umlenken entsprechend ihrer gesellschaftlichen und unternehmerischen Verantwortung zu bewegen sind.

GDL geht neue Wege

Mir der bundesweiten Umfrage geht die GDL neue Wege: Erstmals werden in einem solchen Erfassungsprozess alle Mitglieder, das heißt alle Kolleginnen und Kollegen des Zugpersonals aller Eisenbahnverkehrsunternehmen gleichzeitig einbezogen. Nur dadurch kann ein wirklich realistisches, übergreifendes Bild entstehen, das in dieser Art kein Unternehmen für sich allein erreichen kann.

Somit schafft die GDL eine Vorlage, um den Arbeitgebern und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wo die echten Schwachstellen im Rahmen der Fürsorgepflicht und der Betreuung der Mitarbeiter bestehen. An den Ergebnissen unserer Befragung haben namhafte Psychologen und auch Arbeitgeber bereits jetzt großes Interesse signalisiert. Dies zeigt uns, dass es einen Bedarf gibt und sich unser Zugpersonal mit einer hohen Beteiligung an der Umfrage auf dem richtigen Weg befindet.

Einheitliche Standards für das Zugpersonal

Die Ergebnisse werden dazu dienen, einheitliche Standards zu fordern und diese anschließend auch anzuwenden. Ziel ist eine einheitliche Ausbildung, Schulung und Betreuung aller Kollegen in allen Eisenbahn-verkehrsunternehmen, wenn es um Sicherheit oder belastende Ereignisse geht.

Am Ende sind die Tarifverhandlungen, unter anderem mit Blick auf den Betreiberwechseltarifvertrag, der Schalter, mit dem einheitliche Standards für das gesamte Zugpersonal sicher umgesetzt werden können.

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