» DB-Tarifverhandlungen: Altes Angebot – neu erklärt

Mit diesen Worten lässt sich die fünfte Verhandlungsrunde mit der DB am 28. November 2016 in Frankfurt am Main trefflich beschreiben. Die einzige Veränderung zum Angebot vom 17. November war eine Verhandlungsverpflichtung über die gewonnenen Erkenntnisse der betrieblichen Arbeitszeitprojekte, die der Arbeitgeber statt der geforderten Arbeitszeitregelungen durchführen will. ... mehr

DB-Bilanz-Pressekonferenz

Schuld sind immer die anderen!

Pressemitteilung - GDL Aktuell - 17.03.2016

Die Deutsche Bahn schreibt tiefrote Zahlen. Und wer ist schuld? Richtig, die anderen: Der Klimawandel, die Weltwirtschaft, Chinas Konjunktureinbruch und natürlich die GDL. 310 Millionen Euro habe der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer laut DB gekostet.

Im vergangenen Jahr waren das noch flotte 500 Millionen Euro. Dazu schreibt der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky dem DB-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube erneut ins Stammbuch: „Es war die Verweigerungshaltung des DB-Managements gegenüber den berechtigten Forderungen der eigenen Lokomotivführer und Zugbegleiter. Die Tarifergebnisse des Sommers 2015 hätten wir schon im Herbst 2014 auf ganz normalem Verhandlungsweg erreichen können. Sein eigenes Zugpersonal brauchte dringend Belastungssenkung und das wurde erreicht, auch wenn es das Management ganz offensichtlich bis heute nicht einsieht.“

Hauptsache der Bahnvorstand erhält seine Boni

„Das mit den eigenen Mitarbeitern ist ja auch nicht so wichtig, Hauptsache der Bahnvorstand erhält seine Boni“, so Weselsky. Den maximalen Bonus von 130 Prozent gibt es bei 83 Prozent Pünktlichkeit im Fern- und bei 76 Prozent im Güterverkehr. 100 Prozent erhält der Vorstand schon, wenn Fernzüge zu 80 und Güterzüge zu 74 planmäßig ankommen. Die Toleranz beträgt bei Personenzügen 5,59 Minuten und im Güterverkehr sogar 15 Minuten. Weselsky: „In der Schweiz würden solche Großzügigkeiten zum Stillstand eines perfekt funktionierenden Systems führen. Die großzügigen Pünktlichkeits-Boni passen in keinem Fall zu den 1,3 Milliarden Verlusten, die die DB jetzt eingefahren hat, und diese Verluste kommen nicht zufällig und schon gar nicht von den vielen Eisenbahnern, die jeden Tag versuchen, das Rad am Rollen zu halten. Managementversagen, Fehlinvestitionen und mangelndes Wissen um das komplexe Eisenbahnsystem sind die wahren Ursachen. Millionen werden ausgegeben für die Information darüber, dass die Züge nicht pünktlich oder auf einem anderen Bahnsteig ankommen, anstatt das System selbst zu ertüchtigen.“

Herzstück des Eisenbahnsystems vernachlässigt

Das Eisenbahnsystem hat sich in der Vergangenheit durch Sicherheit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ausgezeichnet, unabhängig von der Jahreszeit. Davon ist zurzeit nicht mehr viel zu sehen. Die Reisenden witzeln, dass die Bahn vier Feinde habe: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mal sind es kaputte Klimaanlagen, die mit der Hitze nicht fertig werden, dann der Schnee, das Laub, der Wind oder was auch immer. Weselsky im Klartext: „Das Brot-und-Butter-Geschäft wird vernachlässigt. Wer die Infrastruktur, das Herzstück des Eisenbahnsystems so schwächt, der kann sich auch nicht mit flotten Sprüchen herausreden und dann mit Milliardeninvestitionen glänzen. Fakt ist, dass unter Mehdorns Börsenwahn ein Schrumpfkurs in der Infrastruktur begann, der auch unter der Führung von Herrn Grube fortgeführt wird.“ Erneut sollen im Güterbereich 500 Verladestellen abgebaut werden. „Wieso allerdings Infrastruktur geschliffen wird, um den Bilanzgewinn aufzupolieren erschließt sich überhaupt nicht“, so der GDL-Bundesvorsitzende.

Keine Schrumpfbahn zu Gunsten von internationalen Einkäufen

Die Qualitätsoffensive mit Sauberkeit und Pünktlichkeit, also Selbstverständlichkeiten, sollen nun Erfolge bringen. „Unsere Kollegen treffen aber im Berufsalltag auf kaputte Kaffeemaschinen, verstopfte Toiletten, fehlende Informationen bei Zugverspätungen und auf immer weniger Personal im Gesamtsystem. Die Bahnkunden wollen sicher, zuverlässig und pünktlich von A nach B kommen. Der Vorstand muss genau dafür die Weichen stellen, also die komplette Infrastruktur ertüchtigen und damit endlich wieder Eisenbahnverkehr attraktiv machen, denn der Verkehr auf der Schiene ist nur so gut, wie die Infrastruktur auf der er nun mal rollen muss“, so Weselsky. Die Straßen sind schon heute voller Staus und morgen soll der Verkehr im Transitland Deutschland noch erheblich steigen. Deshalb müssen die besten Voraussetzungen für das Eisenbahnsystem geschaffen werden, also keine Schrumpfbahn zu Gunsten von internationalen Einkäufen.


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