» Die Zukunft der Eisenbahn

Liebe Kolleginnen und Kollegen, „es ist höchste Zeit, konsequent umzusteuern: Zukunft Bahn – Gemeinsam für mehr Qualität, mehr Kunden, mehr Erfolg“. Diese Maxime gibt Herr Grube nach nunmehr über sechs Jahren als DB-Vorstandsvorsitzender aus. ... mehr

Konfliktreiches, aber erfolgreiches Jahr

Voraus Editorial - GDL Aktuell - 07.12.2015

GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 2015 war für uns ein konfliktreiches, aber erfolgreiches Jahr. Wir haben gemeinsam an allen Fronten gekämpft. Die DB wollte partout verhindern, dass das Zugpersonal maßgeschneiderte Tarifverträge von unserer starken GDL bekommt, und hat dabei nach eigenen Aussagen gleich eine halbe Milliarde Euro versenkt. Damit hätte sie das Zugpersonal über Jahrzehnte hervorragend entlohnen können.

Zu leidvoll waren jedoch anscheinend die Erfahrungen der DB in der Vergangenheit. Haben wir doch seit unserer Eigenständigkeit 2007 entgegen dem Trend jährliche Tarifsteigerungen von durchschnittlich 4,8 Prozent für die Lokomotivführer erreicht, den Betreiberwechseltarifvertrag geschaffen, mit dem die Angst um den Arbeitsplatz nach verlorenen Ausschreibungen in vielen Unternehmen der Vergangenheit angehört, und auch sonst die Rahmenbedingungen maßgeblich verbessert. Kurzum: Tarifverhandlungen mit der zahmen Hausgewerkschaft wären für die DB viel einfacher gewesen. Zum reinen Tarifkonflikt kam, dass die Große Koalition just zu diesem Zeitpunkt ihr Tarifeinheitsgesetz durchpeitschen wollte, ihr somit die Arbeitskämpfe der starken Berufsgewerkschaften gerade recht kamen und sich auch die EVG nicht länger von uns die Butter vom Brot nehmen lassen wollte. Und auch die Medien haben in dem komplizierten Konflikt nicht immer eine rühmliche Rolle gespielt. Genützt hat das alles nichts. Wir haben die Nagelprobe bestanden. Seit 30. Juni 2015 halten wir die Flächentarifverträge für das Zugpersonal (BuRa-ZugTV) bei der DB mit den dazugehörigen Haustarifverträgen in den Händen. Sie sind wegweisend für faire Lohn- und Arbeitszeitbedingungen für das Zugpersonal in ganz Deutschland, was wir gleich in mehreren Eisenbahnverkehrsunternehmen zementiert haben, siehe Rückblick.

Mit dem Tarifeinheitsgesetz versucht die Große Koalition, den einzig gut organisierten und starken Berufsgewerkschaften das Genick zu brechen. Wir lassen uns davon aber nicht beeindrucken. Unsere Verfassungsklage hat gute Aussichten auf Erfolg, denn wir haben mit unserer Tarifauseinandersetzung 2015 und unserer Klage die wahren Hintergründe aufgezeigt und den Angriff auf gute Gewerkschaften abgewehrt. Und das Bundesverfassungsgericht wird sehr schnell entscheiden, sodass wir bereits im Rückblick 2016 Gewissheit haben.

Kurz vor Weihnachten macht das Wehklagen des DB-Managements wegen Milliardenverlusten die Runde. Es soll das jahrzehntelange Missmanagement überdecken. Das Zugpersonal lässt sich dadurch aber nicht das Weihnachtsfest verderben. Seit Jahrzehnten halten wir mit Engagement und Disziplin den Eisenbahnverkehr aufrecht und mussten mitansehen, wie dieses Management den Ruf als bestes Verkehrsmittel verspielt hat. Trotzdem bringen wir 100 Prozent und mehr an Leistung – und das an
365 Tagen im Jahr. Ohne das Management fährt nämlich die Eisenbahn, ohne das Zugpersonal nicht. Mit dieser Gewissheit und unserem Versprechen, dass wir uns nicht ins Bockshorn jagen lassen, wünschen wir unseren Mitgliedern und ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und friedvolles neues Jahr.
Claus Weselsky

» Download Artikel als PDF


Mehr zum Thema Flächentarifvertrag


Weitere Links und Infos