» DB-Tarifverhandlungen: Altes Angebot – neu erklärt

Mit diesen Worten lässt sich die fünfte Verhandlungsrunde mit der DB am 28. November 2016 in Frankfurt am Main trefflich beschreiben. Die einzige Veränderung zum Angebot vom 17. November war eine Verhandlungsverpflichtung über die gewonnenen Erkenntnisse der betrieblichen Arbeitszeitprojekte, die der Arbeitgeber statt der geforderten Arbeitszeitregelungen durchführen will. ... mehr

Solidarität von vielen Seiten

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 30.09.2014

Die GDL hat zum Tarifkonflikt/zur Tarifeinheit zahlreiche internationale Solidaritätserklärungen erhalten – bis nach Argentinien reicht die Verbundenheit. Sie erhielt auch viele Sendungen zur Kenntnis, die Gewerkschaftsmitglieder an den Deutschen Gewerkschaftsbund und an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geschrieben haben. Im Folgenden werden einige Briefe auszugsweise veröffentlicht.

Der Präsident des Verbands Schweizer Lokomotivführer und Anwärter Hubert Giger an die GDL

Geschätzte Lokführerkolleginnen und Kollegen in der GDL, es gibt Rechte, welche erkämpft wurden und für die es sich lohnt, sich einzusetzen: Rechte wie die Koalitionsfreiheit, will heißen das Recht selbst zu wählen, wer mich vertreten soll. Dieses Recht, sich einer eigenständigen Gewerkschaft anzuschließen und dieser sein Mandat zu geben, sollte in einer Demokratie in Europa nicht in Frage gestellt werden. Dies gilt auch für eine Berufsgewerkschaft wie die GDL und auch für das Zugpersonal. Wenn es nur noch eine Gewerkschaft pro Betrieb geben soll, so ist der Weg nicht mehr weit, bis es nur noch eine Partei pro Land gibt. Und deshalb ist euer Einsatz nicht nur euer gutes Recht, sondern schon beinahe eine Pflicht in einer freien Gesellschaft mit mündigen Bürgern. So denke ich mit Bewunderung zurück, dass es die GDL war, welche als erste freie Gewerkschaft in den neuen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde.

Unión Ferroviaria Gran Buenos Aires Oeste, Argentinien an die GDL

Liebe Kollegen der GDL Deutschland, aus Argentinien schicken wir euch diesen Brief als Eisenbahner, die wir uns mit euch verbunden fühlen durch den gleichen Kampf in unserem Beruf. Aus den Nachrichten haben wir erfahren, dass ihr auf allen deutschen Strecken für eure Löhne und das Recht, mit eurer Gewerkschaft eure Mitglieder zu vertreten, im Streik steht. Auch kämpfen für die Verbesserung der Löhne und der Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder. Ich schreibe euch, weil wir uns mit euch solidarisieren…

Der ehemalige Vorsitzende der IG Medien Friedhelm Klinkhammer an den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes Reiner Hoffmann:

Sehr geehrter Kollege Hoffmann, in der Süddeutschen Zeitung las ich, dass du den Vorsitzenden des DBB Dauderstädt ungewöhnlich deutlich aufgefordert hattest, die GDL an die Leine zu nehmen. Ich bin 41 Jahre Mitglied einer DGB-Gewerkschaft, aber so etwas ist mir bisher noch nicht untergekommen. Die GDL zu beschimpfen - eine mutige Gewerkschaft - halte ich für unsolidarisch und unverständlich. Die kleinen Gewerkschaften sind doch deswegen so kampfstark, weil sie gegenüber den sozialdemokratisch durchsetzten Riesengewerkschaften die Interessen der Beschäftigten effektiv durchsetzen. Ihr Ansehen ist wegen ihrer erkämpften Tariferfolge unter Kollegen hoch, jedenfalls höher als das des DGB. Wohltuend bei den Lokführern ist auch das Fehlen von Korrumpierungstendenzen.
Bevor Du öffentlich den Zuchtmeister spielst, sorge erst einmal dafür, dass wir Arbeitnehmer den Lohnzuwachs erhalten, der notwendig ist, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zugunsten der anderen EU-Staaten auszugleichen.

Das GDL-Mitglied Torsten Keller aus Freudenstadt/Grüntal an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

Sehr geehrte Frau Nahles,
ich bin entsetzt über Ihre Pläne zur Tarifeinheit... dass ausgerechnet Sie - als SPD, die eigentlich für die Arbeitnehmerschaft in diesem Land eintreten sollte - sich nun für die Interessen der Arbeitgeberseite einsetzen und per Gesetz nun genau die Arbeitnehmervertretungen verbieten/gesellschaftlich bedeutungslos stellen wollen, die sich als einzige für die Arbeitnehmer einsetzen. Selbst Konflikte mit dem Grundgesetz sind Sie dafür bereit, in Kauf zu nehmen. Ich darf Sie also eindringlich auffordern
1. Hände weg von gesetzlichen Regelungen zur Tarifeinheit!
2. Besinnen Sie sich endlich wieder auf Ihre Wählerschaft -
und machen Sie Politik für die Arbeitnehmer in diesem Land und nicht mehr für die Lobbygruppen und Arbeitgeber!

Der ehemalige stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Günther Kinscher an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles:

Sehr geehrte Frau Nahles,
dass ausgerechnet Sie Frau Nahles, sich zum Steigbügelhalter der Arbeitgeberverbände aufschwingen und die Tarifeinheit gesetzlich regeln wollen, dürfte selbst den hartgesottenen SPD-Genossen überraschen. Sie begründen die Maßnahme u.a. mit dem Lahmlegen vitaler Funktionen durch Streiks von Spartengewerkschaften. Es waren doch CDU, SPD und FDP die im Dezember 1993 die Bahnprivatisierung im Deutschen Bundestag beschlossen und damit ihre Verantwortung für die Daseinsvorsorge eines Flächendeckenden Bahnverkehrs am Garderobehaken des Deutschen Bundestages abgegeben hatten...

Kehren Sie wieder auf den Pfad der Sozialdemokratie zurück und unterstützen Sie bitte die berechtigten Forderungen des Zugpersonals bei der DB. Der Börsenkurs von Exbahnchef Mehdorn ist an allen Ecken und Enden spürbar. Die Altersstruktur ist in allen Funktionsbereichen katastrophal und „Mainz“ ist überall. Die DB müsste allein 1 800 Lokomotivführer für ein Jahr beschäftigen, um deren Überstunden abzubauen. Ich glaube, dass bei einem Streik der GDL, viele Reisende gar nicht mehr unterscheiden können, ob es sich um einen Streik oder den normalen Bahnalltag handelt. Sorgen Sie und ihre Kabinettskollegen als Eigentümervertreterin dafür, dass die DB sich auf ihre Kernaufgaben eines flächendecken und vor allem pünktlichen Schienenverkehrs in Deutschland besinnt. Im Moment erleben wir einen Konzern der sich auf vielen Feldern in der ganzen Welt tummelt und im Schienenverkehr Deutschlands das Chaos hinterlässt.

» Download Artikel als PDF



Weitere Links und Infos